Archiv der Kategorie Personalia

Was denkt eigentlich Professor Dr. Norbert Walter über Immobilienmanager?



 

Prof. Norbert Walter (geb. 1944) ist seit 1990 Chefvolkswirt der Deutsche Bank Gruppe.


Als Chefvolkswirt liebt Norbert Walter die Debatte, und viele sehen ihn in den abendlichen Nachrichten - wie er selber sagt - wie eine Tasse Espresso: klein, schwarz und stark.

 

 

 

Immobilienmanager: Herr Professor Walter, welches Image und welche Stärken und Schwächen sehen Sie bei Immobilienmanagern?

 

Prof. Walter: Über 80% des gesamten deutschen Nettoanlagevermögens entfällt auf Bauten. Das entspricht der unglaublichen Summe von 6,6 Bill. Euro. Es ist immer wieder faszinierend, dass eine solch gewaltige Anlageklasse in der Politik, in den Medien und wohl auch in der Wissenschaft vergleichsweise wenig Beachtung findet. Die Immobilienwirtschaft tut sich also offenbar schwer, ihre Bedeutung angemessen zu kommunizieren. Natürlich hat dies auch damit zu tun, dass die Branche vergleichsweise intransparent ist. Geringe Transparenz kann für Marktteilnehmer Vorteile bringen, denn sie erlaubt mitunter Extrarenditen. Allerdings bedeutet mangelnde Transparenz auch immer, dass schwarze Schafe zu spät entdeckt werden. Wenn sie aber gefunden werden, belastet dies gleich das Image einer ganzen Branche. Der Weg zu mehr Transparenz, der in den letzten Jahren erfolgreich beschritten wurde, muss also unbedingt fortgesetzt werden, denn wir sind noch nicht am Ziel.

 

Immobilienmanager: Was können Immobilienmanager tun, um ihr Image weiter zu verbessern?

 

Prof. Walter: Natürlich geht es auch hierbei um Transparenz. Bei Bankgeschäften geht es um Vertrauen. Dies muss man sich verdienen. Bei einer jungen Geschäftsbeziehung gelingt dies am besten durch umfassendes Informieren und durch einen professionellen Auftritt. Es muss einen gut dokumentierten Geschäftsplan geben. Echte Immobilienprofis sind meistens besser im Auffinden der Rosinen auf den Immobilienmärkten als ein Bankangestellter. Das hat auch etwas mit Gespür zu tun. Um seine Bank zu überzeugen, bedarf es nicht nur der Begeisterung für ein Projekt, sondern eben auch möglichst vieler harter Indikatoren und Fakten.

 

Immobilienmanager: Wie sieht Ihre Traumimmobilie aus?

 

Prof. Walter: Unserem Alter gemäß, möglichst auf einer Etage, mit kleinen überschaubarem Rosen- und Kräutergarten – Lage Rhein Main ist nicht schlecht wegen Logistik und Klima.

 

Immobilienmanager: Wie wohnen Sie derzeit?

 

Prof. Walter: In einer Doppelhaushälfte – Alles stimmt bis auf die vielen Treppen!

 

Immobilienmanager: Welches Investitionsverhalten empfehlen Sie derzeit Immobilienmanagern - für ihr Unternehmen und ihr privates Portfolio?

 

Prof. Walter: Es besteht sicherlich kein Grund zur Hetze. Zwar gibt es vermehrt positive Konjunkturhinweise. Doch die Entwicklung ist weiterhin labil, und die Probleme auf den Arbeitsmärkten sind natürlich alles andere als ausgestanden. Das wird noch mindestens bis 2010 die Nachfrage nach Büroimmobilien dämpfen. Und seien wir ehrlich, viele Marktteilnehmer haben derzeit auch keine Möglichkeit zur Hetze. Ein Sinken der Mietrenditen ist also erst einmal nicht in Sicht. Die Entwicklung auf den Wohnungsmärkten ist insgesamt günstiger, weil die Zahl der Fertigstellungen auf historischem Tiefpunkt ist und weil es keine Übertreibungen auf den Wohnungsmärkten gab wie in anderen Ländern. Natürlich engt die Rezession auch den Preissetzungsspielraum bei Wohnimmobilien ein, heftige Korrekturen sind jedoch für die allermeisten Märkte nicht zu befürchten. Gerade private Kaufinteressenten können zudem von den derzeit sehr niedrigen Finanzierungszinsen profitieren. Allerdings gilt auch hier: Es gibt keinen Anlass, die gründliche Prüfung der Immobilie und der eigenen finanziellen Spielräume und Risiken zu vernachlässigen, um ein paar Tage oder Wochen früher zu kaufen.

 

Immobilienmanager: Wie optimistisch sollte die deutsche Wirtschaft in die Zukunft blicken?

 

Prof. Walter: Die Saison der Abwärts-Revision der Prognosen vorüber, die Bodenbildung hat eingesetzt. Aber auch nach den Stabilisierungen bei Geschäftsklima, Aufträgen und Produktion sollten wir die Höhe des Absturzes, den wir hinter uns haben, nicht aus dem Blick verlieren. Die Auftragseingänge lagen im April/Mai um ein Drittel unter Vorjahr und die Produktion war fast ein Viertel niedriger.

 

Immobilienmanager: Herr Professor Walter, vielen Dank für das Gespräch.

 

 

Veröffentlicht im Immobilienmanager Magazin

 

 

 

 


Julien Reitzenstein    Wilhelm von Reitzenstein

Internetmobbing

Im Spiegel Online vom heutigen Tage fand sich ein bemerkenswerter Artikel. Er zeigt exemplarisch, wie heute Existenzen, Reputationen und Unternehmen vorsätzlich geschädigt werden können durch Online-Mobbing.

Der Artikel zeigt eindrucksvoll, wie verbreitet Internetmobbing mittlerweile ist. Leider läßt er unerwähnt, wie amerikanisches und deutsches Recht mit so etwas umgehen. Aus Insiderkreisen in NYC ist zu hören, dass sowohl der geschädigte Steve Rattner, als auch der Arbeitgeber Credit Suisse derzeit juristische Schritte vorbereiten, bzw. prüfen. Denn der Ausfall eines Mitarbeiters, als auch dessen entgangene Gehälter stellen einen erheblichen Vermögensschaden dar. Unabhängig von strafrechtlichen Sanktionen muss der Schädiger in solchen Fällen auch in Deutschland mit empfindlichen Schadenersatzforderungen rechnen. Da dürfte die Stimmung von Schädigern bald nicht mehr “triumphal” sein.  In Deutschland diskutieren Juristen derzeit einen interessanten Aspekt.  Wer einen  Offenbarungseid geleistet hat, kann zumeist seine Schulden nicht bezahlen. Im Zeifelsfalle wird der Offenbarungseid immer wieder erneuert bis zum Lebensende. Wenn solche Personen nun Schaden anrichten, weil sie wissen, dass von ihnen ohnehin niemand Schadenersatz verlangen kann oder sich gar genau deshalb gezielt für solche Taten engagieren lassen, könnte das als strafverschärfend wirken. 

In der nächsten Zeit erscheinen hier einige weitere Beispiele für solche Fälle, die belegen, dass Verleumdungen im Internet oft einfach gestrickten Menschen zur Kühlung ihrer Emotionen dienen, manchmal aber auch gezielte wirtschaftliche Interessen zum Ziel haben.

Hier nun der Artikel aus Spiegel Online:

11. August 2008

Quelle: Spiegel Online

WALL-STREET-SKANDAL
Banker am Online-Pranger

Von Marc Pitzke, New York

Pikanter Skandal an der Wall Street: Ein Top-Banker der Großbank Credit Suisse verlor seinen Job - wohl auch, weil ein Rivale ihn im Web erbarmungslos erniedrigt hatte. Die Affäre hat an der Wall Street eine Debatte über die Macht des Internets ausgelöst.

New York - Es klang wie eine dieser üblichen Kündigungen an der Wall Street. Steve Rattner, Managing Director der Großbank Credit Suisse, ziehe sich freiwillig ins Privatleben zurück, erklärte der Konzern knapp. Rattner - der bis dahin DLJ Merchant Banking leitete, den milliardenschweren Private-Equity-Arm von Credit Suisse - wolle “mehr Zeit mit seiner Familie verbringen”.

So weit, so diskret. Es waren die altbekannten Sprachformeln, hinter denen sich alle möglichen Variationen eines Karriereknicks verbergen lassen: Zwangspensionierung, Rauswurf, Degradierung. Dieser Abgang indes beschäftigt die New Yorker Finanzszene seither über alle Maßen. Die Hintergründe sind derart grotesk, dass die Wall Street seit Tagen kaum ein anderes Thema kennt - als willkommene Ablenkung vom trüben Trott der Kreditkrise.

Die Zutaten dieser Saga, die am Ende auch eine Parabel auf die unbändige Macht des Internets ist: ein Seitensprung, ein nach Rache sinnender gehörnter Gatte, ein spendabler Millionärs-Nebenbuhler und exotische Jetset-Schauplätze wie Monaco, Macao, Hongkong, die Philippinen.

Rattner hatte einen stillen, doch lukrativen Wall-Street-Job. Der Finanzier arbeitete seit 1985 für DLJ, eine ehemalige Investmentbank, die im Jahr 2000 von Credit Suisse geschluckt und zur Private-Equity-Abteilung umgebaut wurde. Im Gegensatz zu seinem Namensvetter - dem prominenten Großinvestor Steven Rattner, der eng mit dem New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg befreundet ist und dessen Vermögen verwaltet - wirkte dieser Rattner lieber im Schatten.

Ein Kind von Traurigkeit war der unbekanntere Rattner indes nicht. Vor fünf Jahren hatte der verheiratete Vater eine Affäre mit einer ebenfalls verheirateten Frau. Er gibt den Seitensprung heute offen zu und bereut die ganze Sache.

Die Liebelei, schreibt die bei solch intimen Verstrickungen sonst eher zugeknöpfte “New York Times”, habe sich in London abgespielt. “Schließlich brach er das Liebesabenteuer ab, beichtete es seiner Frau und bemühte sich anschließend darum, seine Ehe zu retten.” Das gelobte Rattner in der “NYT” sogar persönlich, mit dem Schwur: “Ich liebe meine Frau und Kinder mehr als das Leben selbst.”

Damit hätte die Affäre ihr Ende finden können. Tatsächlich aber wurde es jetzt erst richtig spannend. Plötzlich nahm die Geschichte eine für Rattner unangenehme Wendung, deren Verlauf hier jeder seit Wochen auf den Klatschblogs und Websites mitverfolgen kann.

Denn dort, in Diskussionsforen und Online-Kommentarspalten, fand sich immer wieder der gleiche, wutschnaubende Eintrag, gefolgt von seitenlangen Tiraden: “Steve Rattner hat meiner Frau 500.000 Dollar gezahlt, um mich zu verlassen!” Das “New York Magazine” versuchte, die Postings - die mit den Themen der Foren nie etwas zu tun hatten - von seiner Website zu tilgen, doch der Verfasser war schneller. Er lud “alle fünf Sekunden” nach, klagt das Blatt, “während wir ihn löschten”.

Der Autor verbarg sich hinter stets wechselnden, kaum zweideutigen Kürzeln: “UPSET08″, “CRAZY10″, “ahmp1ssed0ff”. Doch seine Identität blieb nicht lange anonym. Bald kam heraus, dass der australische Discjockey und Modedesigner Tommii Cosgrove dahinter steckt. Cosgrove ist der nunmehr geschiedene Ehemann besagter Dame, mit der Rattner das Verhältnis hatte.

Cosgroves endlose Online-Schimpfkanonaden geisterten bald kreuz und quer durch den Cyberspace - vom “New York Magazine” über die “New York Times”, den “New York Observer”, “MySpace”, “Facebook” und den Klatschblog “Gawker” bis hin zu phantasievollen Websites, die Cosgrove offenbar nur zu einem Anlass angelegt hatte - um Rattner niederzumachen. Es war ein virtueller Pranger.

Wochenlang führte Cosgrove seine Internet-Vendetta. Rattner habe Cosgroves damalige Frau Kelly in London kennengelernt. Er habe ihr nicht nur eine halbe Million Dollar gegeben, um Cosgrove zu verlassen, sondern auch “einen Ferrari, ein Haus und noch mehr Bargeld” - wie Richard Gere im Film “Pretty Woman”.

Er habe sie mit “exotischen Geschenken und Juwelen, Designerklamotten und Trips nach Macao, Hongkong, auf die Philippinen, nach Frankreich, Monaco und London überschüttet”. Nach einer Weile habe er sie “für ein jüngeres Model” verlassen. “Es ist atemberaubend, was die Reichen alles tun, um eine Frau zu kriegen”, wetterte der gehörnte Gatte. “Zu dumm, wenn die avisierte Dame die Frau eines anderen ist. Reiche denken, sie könnten sich alles kaufen.”

Cosgrove indes beließ es nicht bei der Detailberichterstattung. Er veröffentlichte auch Rattners Büronummer und seine interne E-Mail-Adresse bei Credit Suisse. Er schickte weitschweifige Mails an Rattners Kollegen und Klienten. Es war elektronisches Mobbing.

Unterdessen sorgte der Zank für eine rege Debatte beim Publikum. Unbeteiligte begannen auf den Websites, öffentlich Partei zu ergreifen. Die einen hielten zu Rattner: Er werde verunglimpft - das Ganze sei ein Paradebeispiel für die zerstörerische Kraft des Internets. Andere unterstützten Cosgrove: Die Geschichte sei vielmehr ein Exempel für die egalitäre Kraft des Webs. Selbst der prominentere Namensvetter Steven Rattner meldete sich: Er wolle klarstellen, dass es sich hierbei nicht um ihn handele.

Der betroffene Steve Rattner wies die Vorwürfe zurück. “Fast alles, was Mr. Cosgrove behauptet, ist entweder falsch oder eine grobe Übertreibung.” Seinen Job konnte er dadurch nicht retten. Zwei Monate schwieg Credit Suisse, obwohl alle längst über den Skandal raunten. Schließlich hatte Rattner - selbst wenn die Anschuldigungen korrekt sein sollten - nichts getan, was gegen den Firmenkodex verstieß.

Intern jedoch, so war zu hören, wuchsen Bedenken. Man sei besorgt gewesen, Rattner könnte zur “Last” für das Unternehmen werden. Schließlich erklärte die Bank, Rattners Stelle werde von einer Kollegin übernommen. Und, fast nebenbei: Rattner habe beschlossen, sich zur Ruhe zu setzen.

“Gerede mit Konsequenzen”, resümiert der Börsenblog “Dealbreaker” und verweist, wie auch andere Kommentatoren, auf die aktuelle Debatte an der Wall Street über die zerstörerische Wirkung von Gerüchten, die selbst große Firmen wie Bear Stearns zu Fall bringen könnten (mehr…). Wieder andere amüsieren sich darüber, dass “NYT”-Kolumnist Andrew Ross Sorkin, der Rattner explizit in Schutz nimmt, ihn wiederum nun vollends gedemütigt habe, indem er die ganze Affäre in die respektablen Spalten der “NYT” gezerrt habe.

Rattner jedenfalls steht vor einem Scherbenhaufen. “Ich komme mir vor wie der Star eines schlechten Fernsehfilms”, sagte er zu Sorkin. “Es ist einfach unglaublich. Und es gibt keine Möglichkeit, sich zu wehren.” Cosgrove dagegen scheint sich mit Rattners Demission am Ziel zu sehen. In seinem “MySpace”-Profil markierte er seine gegenwärtige Stimmung als “triumphal”.

It becomes ernest - es wird ernst. Interviews auf English!

So, nun hat der Ernst des Lebens begonnen: Eine Reportage über die Gebrüder Wright und ihren Vordenker Otto Lilienthal - an der Stätte des ersten Motorfluges in Kitty Hawk.

Von dort geht es nach Norfolk, VA - das Hauptquartier der US Navy. Die Anlage ist eine der größen Liegenschaften der USA. Vom U-Boot-Bunker bis zum Verwaltungshochhaus - die Anforderungen an die hiesigen Immobilienmanager sind sehr unterschiedlich. Und die Lösungen recht pragmatisch.

Und dann folgen die zugehörigen Interviews in Washington. Denn die amerikanischen Streitkräfte waren pfiffig. Sie nutzten die Immobilienkrise, um jene Offiziere zurück zu holen, die nach ihrem Ausscheiden in die Immobilienbranche gewechselt haben. Ein ehemaliger Marinefliegeroffizier verrät unseren Lesern, warum ein Austausch zwischen beiden Welten sinnvoll ist.

So long,

herzlichst

Ihr

Julien Reitzenstein

Alte Personalia - Kommentar

Geht das Niveau nicht weiter herunter, kommen Irre und graben ein Loch…   :-)

Loyalität und Toleranz

Kommentar

Wie man Potentiale ignoriert

Unlängst kam ein Projektentwickler zu einer Bank. Dieses auf Immobilienfinanzierungen spezialisierte Institut residiert an einer feinen Adresse einer deutschen Metropole. Im Vorgespräch war vereinbart worden, dass an der Besprechung alle Projektbeteiligten teilnehmen sollten. Die Bank entsendete drei Vertreter. Alle waren so seriös gewandet, wie es die Menschen erwarten, die ihr hart beschafftes Geld dort anlegen. Aber keine ernste Situation ohne unterhaltsame Stilbrüche. Kenner von Stoffen konnten erkennen, in welcher Preisklasse die Anzüge dieser drei Banker rangieren. Und in der Tat, der Träger des teuersten Anzuges war der ranghöchste der drei Banker. Respekt, hätte man meinen können. Eine gute Position erarbeitet, mit guten Geschmack – oder dem der Partnerin – einen perfekt sitzenden Anzug gefunden, bei der Begrüßung alle protokollarischen Feinheiten beachtet. Auch in den Kreisen der besseren Gesellschaft findet man solche Harmonie im Benehmen nicht überall. In der Lounge wartete man auf die nächsten Teilnehmer, setzte sich und dann lähmte Ungläubigkeit die Situation. Der Herr von der Bank trug Socken. Socken! Die nackten bleichen Unterbeinchen mit langen schwarzen Haaren kontrastierten so allerliebst mit den rahmengenähten Schuhen, dass es schon fast wieder cool war. Seitdem Richard Gere es im Film Pretty Woman vormachte, wissen wir, was wirklich cool ist. Gar keine Fußtextilien. Barfuss. Aber wer nicht cool wie ein Hollywoodstar sein möchte, weiß aus seiner Erziehung, dass Herren zu Anzügen stets Kniestrümpfe tragen. Aber das ist ja auch gar nicht das Thema der heutigen Kolumne. Nach dem Eintreffen der Architekten und des privaten Mezzaninekapitalgebers, eines skandinavischen Grandseigneurs aus adligem Hause, der die siebzig überschritten hatte und von allen Anwesenden die besten Körperhaltung hatte – und selbstverständlich Kniestrümpfe, Einstecktuch und Umschlagmanschetten trug – traf auch der Projektentwickler ein. Auch wenn man Menschen nicht nach dem Äußeren beurteilen sollte, war auf den ersten Blick klar, dass es ein guter Projektentwickler war. Er war gut gekleidet, versuchte aber nicht die anderen zu übertrumpfen, das Benehmen war gut aber noch besser war sein Team: Ein Marketingspezialist in Ganzkörper-Mininalismus-Schwarz gehüllt mit rasierter Glatze. Man sah ihm förmlich all die Philosopiebücher an, die er mit Wonne las – aber nach Immobilienbranche sah er gar nicht aus. Ein junger Mann trug eine Haartracht, die ein Gentleman nicht als Frisur bezeichnen würde und auch der Metallwarenladen, den dieses Mitglied des Projektentwicklerteams im Gesicht trug, irritierte die Anwesenden. Zudem war er offensichtlich schwul. Die Assistentin hingegen sah aus, wie die –ein wenig- jüngere Schwester von Vivienne Westwood und war auch so gekleidet. Kurzum: Hätten oscarprämierte Kostümbildner aus Hollywood eine Neuinszenierung der Rocky Horror Picture Show in der Immobilienbranche ausstatten müssen, hätten sie diese drei Gestalten nicht besser gestalten können. Jeder Typ als Typ perfekt. Jeder hatte seine Rolle getroffen und ruhte in sich selbst – denn es waren ja keine Rollen, es waren Typen. Das einzige was fehlte, war die Uniform der Immobilienarmee und das Benehmen eines vor Investoren stramm rapportierenden Developerteams. Gewiss, die Präsentation war brilliant, die Sprache geschliffen und dass das Projekt binnen kurzem vermarktet sein würde, erschloss sich jedem der Anwesenden binnen Sekunden. Schließlich waren die Ideen und Argumente des Teams genial. Geld von der Bank gab es trotzdem nicht. Die Begründungen waren verschieden, aber alle gleich durchsichtig: Wer trotz aller Professionalität sich in seinem privaten Habitus so sehr von dem unterscheidet, was in der Branche Usus ist und nicht danach strebt, das zu ändern, kann nicht seriös sein. Vielleicht glaubten das die Banker. Psychologisch gesehen war aber klar: Alte Bäume verändert man nicht. Aber wenn ein normaler geschäftlicher Umgang gepflegt wird mit Menschen, die unnötige Konventionen auch brechen, würden die jüngeren der eigenen Belegschaft das auch fordern – und die älteren alt aussehen lassen. Als der Brite Morris erstmals die Forderung „form follows function“ stellte und umsetzte, trat er eine Lawine auf dem Feld des Designs und damit auch der Architektur los. Adolf Loos, Peter Behrens, Koloman Moser und viele mehr wurden die Bahnbrecher. Gewiss, es blieben „old-school-architects“ am Markt – um auszusterben. Ach ja, der konservative skandinavische Gentleman wusste, wer er war und konnte darum die anderen sein lassen, wie sie waren. Sein Kommentar: Bei Sal. Oppenheim, Berenberg und Lampe erwarte ich Seriösität, bei einem Developer Kreativität und Ergebnisse. Er finanzierte das ganze Projekt, hatte nach nur siebzehn Monaten einen vollen return und eine Rendite von 15,2%.

Georges du Roy

 

Veröffentlicht im Immobilienmanager August 2007: www.text-kontor.de

 

 

Julien Reitzenstein von Ingo v. Jordan

Julien Reitzenstein von Ingo v. Jordan

Kommentar Personal Politik

Kommentar

Personal Politik

Gerade in emotionsgeladenen Debatten ist es hilfreich, mit viel Ratio und wenig Populismus zu denken. Das gilt auch bei der Personalpolitik. Man stelle sich ein Unternehmen mit EUR 270 Mrd. Jahresausgabebudget vor, das von 16 Vorständen gesteuert wird. Die Vorstandsvorsitzende bestimmt die Ausrichtung des Unternehmens, die Vorstände handeln in diesen Grenzen eigenverantwortlich. Aber die Verantwortung erstreckt sich nicht nur auf das anvertraute Budget, das Geld der Aktionäre, sondern auch auf deren Gesundheit, Freiheit und Streben nach Glück. Daher waren die Aktionäre so schlau, bei Gründung des Unternehmens einen vielköpfigen Aufsichtsrat zu bestimmen, der zwar nicht in die Unternehmensführung eingreifen, aber einige Vorhaben verhindern kann. Vor allem aber kann der Aufsichtsrat die Budgets der Vorstandsbereiche festlegen und bestimmen, wie sie verwendet werden. Somit hat jeder einzelne Aufsichtrat die Möglichkeit, im Namen seiner Aktionäre und Ratgeber die Konzerngeschicke zu beeinflussen, zu befördern und zu verhindern. Wehe den Aktionären, die einen wankelmütigen, inkompetenten und beeinflussbaren Aufsichtsrat auf seinem Sessel setzen. Sie werden seine Fehltritte bezahlen müssen. Mit Geld und mit persönlichem Glück. Aber bei einem solch gewaltigen Budget sollte man Gehälter zahlen können, die die Bestqualifizierten entsprechend ihrem Marktwert entlohnen und angemessene Arbeitsbedingungen bieten. Wenn man so jemanden einstellen muss, ergeben sich folgende Überlegungen: Teilt man das Gesamtbudget durch die Anzahl der Aufsichtsräte, so ergibt sich ein arithmetisches Ergebnis von EUR 439 Mio. Verantwortung pro Kopf. Hinzu kommen noch konzeptionelle Arbeiten, PR, Repräsentation und Reisetätigkeit. Die durchschnittliche Wochenarbeitszeit liegt bei sechzig Stunden, die Erreichbarkeit ist 24/7, aufgrund der besonderen Verträge fällt der Kündigungsschutz weg und die betriebliche Altersversorgung liegt bei den meisten weit unter dem, was in solchen Positionen üblich ist. Und der Kandidat muss damit leben, dass sein Image bei den meisten Menschen noch schlechter ist als das von Drückerkolonnen oder Heuschrecken. Was also sollte dann als Gehalt festgesetzt werden, um dennoch die Besten gewinnen zu können? Headhunter sehen das unterschiedlich. Sie richten sich nach der Qualifikation, der Belastbarkeit und dem, was der Kandidat zuvor verdient hat. Also nach dem Wert, den der freie Markt als angemessen in den vergangenen Jahren für den Kandidaten ermittelt hat. So ergeben die Schätzungen für ein Grundgehalt eine Spanne von EUR 450.000,00 – EUR 2 Mio. Schließlich liegen Topmanager mit geringerer Budgetverantwortung bekanntlich oft deutlich darüber. Wenn man nun ein Grundgehalt von rund EUR 84.000,00 bietet, mit relativ bescheidenen Aufschlagsmöglichkeiten, mag man sich gar nicht vorstellen, wer sich dann bewirbt. Wenn das Gehalt bei mehr als der Hälfte der Bewerber auch noch einen sozialen Aufstieg bedeutet, mag man erst gar keine Geschäftsbeziehung mit einem solchen Unternehmen aufnehmen. Und wenn Sie das nicht vermeiden können? Weil das Unternehmen Bundesrepublik Deutschland heißt? Geben Sie Ihren Pass ab? Vielleicht gibt es einen anderen Weg: Zeigen Sie Zivilcourage! Erheben Sie Ihre Stimme, wenn nächstens in Ihrer Umgebung über überbezahlte Politiker geschimpft wird und Diätenerhöhungen gegeißelt werden. Schlagen Sie vor, dass sich die Republik nach dem richtet, was Sie in Ihrem Unternehmen als Selbstverständlichkeit kennen: Um die besten Köpfe zu bekommen, muss man diesen einen Anreiz bieten. Wenn ein Unternehmen kriselt, müssen bessere Manager her, die zumeist teurer sind, aber ihr Geld wert. Fordern Sie, dass jeder Mandatsträger exakt das Einkommen erhält, das ihm der Markt in den letzen Jahren vor der Wahl gewährt hat. Gewiss mag man Regelungen diskutieren, das passive Wahlrecht nur zweimal hintereinander zu gewähren oder Kappungen einzuführen. Aber für Deutschland gibt es nur zwei Argumente. Die Besten durch Geld gewinnen oder durch ein gutes Image. Wenn man dann noch den Idealismus lobt, eine solche Tätigkeit überhaupt, statt eines guten Jobs in der Wirtschaft, anzunehmen, ist Eines gewiss: Die Profis wissen, dass auf Jahreshauptversammlungen und Bilanzpressekonferenzen Ergebnisse hermüssen. Denn sonst sinkt der Marktwert des Handelnden. Und den verdirbt sich niemand gern. Auch nicht aus Idealismus oder für Deutschland. Autor: Georges du Roy

 

Veröffentlicht im Immobilienmanager Magazin: www.text-kontor.de

 

Julien Reitzenstein von Ingo v. Jordan

Julien Reitzenstein von Ingo v. Jordan

Verzockt - die Wahrheit über Oliver T.

Oliver T. ist im Internet immer wieder

|