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Archive für Januar 2010
Mr. Bean EU-Präsident?
5.1.2010 by Reitzenstein.
http://totallylookslike.com/2008/09/28/jose-luis-rodriguez-zapatero-totally-looks-like-mr-bean/
Die Ähnlichkeit zwischen dem spanischen Ministerpräsidenten José Luis Rodríguez Zapatero und dem Komiker Rowan Atkinson (Mr. Bean) ist verblüffend - besonders, wenn beide grienen.
Gestern hat jemand die Website der spanischen EU-Ratspräsidentschaft geknackt - und das Foto Zapateros gegen das von Atkinson getauscht.
Der Urheber der Aktion ist bis heute unbekannt. Aber der Ansturm des Publikums ließ die Site gestern zusammenbrechen. Heute ging sie wieder online - ohne Mr. Bean.
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LVZ: Alte Strickwarenfabrik zieht Kreative an
3.1.2010 by Reitzenstein.
Am 29.12.2009 veröffentlichten wir einen Beitrag über die Alte Strickfabrik in Leipzig
Drei Tage später veröffentlichte die Leipziger Volkszeitung hierzu auch einen Artikel:
Alte Strickwarenfabrik zieht Kreative an
Jens Rometsch
Foto: Wolfgang Zeyen Die Hofansicht der ehemaligen Strickwarenfabrik in der Berliner Straße Leipzig. (Rechts im Bild die Ruine auf dem Nachbargrundstück, die nach Auskunft von deren Eigentümer in Bälde an einem langen Wochenende entfernt wird. d.R.)
Als im April 2009 ein Leipziger Familienunternehmen die alte Strickwarenfabrik in der Berliner Straße 65 erwarb, standen die fünf Geschosse weitgehend leer. “Bekannt war dieses Objekt eigentlich nur noch bei Bahnreisenden”, sagt Anett Micklich von der Pragmatic Equity AG, die die traditionsreiche Immobilie nun entwickelt. “Wer aus Richtung Norden zum Hauptbahnhof hereinfährt, sieht kurz vor der Wittenberger Straße immer diese riesige, traurige Ruine neben unserem Gebäude, die seit dem Einschlag einer Luftmine im Jahr 1944 unverändert so dasteht.”
In der Gründerzeit gehörte das Areal zu einem blühenden Industriegebiet. Als Strickwarenfabrik der Gebrüder Frank wurde zunächst in einer einstöckigen Halle mit Pappdach und Außenabort gearbeitet. Für Letzteres - fünf Toiletten mit Wasserspülung im Hof - mussten die Unternehmer seinerzeit noch ein königlich-sächsisches Privileg beantragen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts folgte ein dreistöckiges Fabrikgebäude: inklusive eines 2000 Quadratmeter großen Kellerlagers unter dem Hof, von dem noch einige Bereiche erhalten sind. Die Straßenbahngesellschaft baute damals nebenan das Depot an der Wittenberger Straße.
In den 1920er-Jahren kam der bis heute stehende Teil mit fünf Vollgeschossen sowie Dachaufbauten hinzu. Mit Aufkommen der Nazi-Herrschaft wurden die jüdischen Eigentümer jedoch gezwungen, ihr florierendes Unternehmen zu verkaufen.
Etliche Bombentreffer 1943 und 1944 ließen von der Strickwarenfabrik nur noch das heutige Gebäude übrig. Zu DDR-Zeiten zog dort unter anderem der VEB Herrenmoden “Korrekt” ein. Schon 1953 gab es Pläne, die benachbarten Ruinen abzureißen. Doch mal war kein Bagger verfügbar, mal kein Kran. Schließlich gab es nach 36 Jahren Planwirtschaft einen neuen Abrisstermin: für Dezember 1989. Aber nach dem Fall der Mauer hatten die Leute wichtigeres zu tun. Ein Bauträger mit Plänen für eine Einkaufspassage ließ später alle Ruinen - außer dem Flügel an der Berliner Straße - entfernen. 1999 ging ihm die Puste aus, das Gebäude geriet in Zwangsverwaltung. Danach blieben nur wenige gute Mieter, die Immobilie verfiel immer mehr.
Die Pragmatic Equity AG hat nun erst mal aufgeräumt und den intakten Teil der Fabrik komplett renoviert, auch die helle Klinkerfassade herausgeputzt. “Wir errichten hier ein Zentrum für die Kreativwirtschaft, Start-up-Firmen, junge Autoren, Werber, Trainer, Verlage”, erläutert Micklich. So soll noch diesen Monat eine Schlagzeug-Fabrikation einziehen: der junge Instrumentenbauer wurde durch eine Kooperation mit dem Start-up-Programm Sept der Universität Leipzig vermittelt. Im ehemaligen Privatkontor der Gebrüder Frank zog gerade ein Pressebüro ein. “Im Sommer reißen wir den ruinierten Flügel nebenan weg und gestalten den Hof zur Grünanlage um”, so Micklich. “Dann finden die Kreativen bei uns nicht nur einen schönen Ausblick vom Schönefelder Schloss bis zum Völkerschlachtdenkmal, sondern auch eine grüne Oase unweit vom Hauptbahnhof.”
© LVZ-Online, 01.01.2010, 23:35 Uhr
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Spiegel Online: Im Mauseloch der Angst
2.1.2010 by Spectator Mundi.
Im Mauseloch der Angst
Von Henryk M. Broder
6 Bilder
Terror: Angriff auf dänischen Karikaturisten
Im Jahre 1988 erschien Salman Rushdies Roman “Die Satanischen Verse” in der amerikanischen Originalausgabe. Worauf der iranische Staats- und Revolutionsführer, Ajatollah Chomeini, eine “Fatwa” gegen Rushdie erklärte und ein hohes Kopfgeld für dessen Ermordung auslobte. Es kam zu mehreren Anschlägen auf die Übersetzer und Verleger des Romans, wobei der japanische Übersetzer Hitoshi Igarashi ums Leben kam. Millionen von Muslimen in aller Welt, die keine Zeile des Buches gelesen und den Namen Salman Rushdie noch nie gehört hatten, wollten das Todesurteil gegen den Autor vollstreckt sehen, je schneller, desto besser, um mit seinem Blut die beschmutzte Ehre des Propheten wieder reinzuwaschen.
In dieser Atmosphäre traute sich kein deutscher Verlag, Rushdies Buch zu publizieren. Worauf einige Schriftsteller, unter ihnen Günter Grass, die Initiative ergriffen, damit Rushdies Roman in Deutschland erscheinen konnte - in einem Verlag, der ausschließlich zu diesem Zweck gegründet wurde. Er hieß ARTIKEL 19 - wie der Paragraf der Europäischen Menschenrechtskonvention, der das Recht auf Meinungsfreiheit garantiert - und war ein Gemeinschaftsunternehmen, an dem Dutzende von Verlagen, Organisationen und Einzelpersonen beteiligt waren, darunter Bertelsmann, Fischer, Hoffmann & Campe, Suhrkamp und Wagenbach, der Verband deutscher Schriftsteller und das PEN-Zentrum der Bundesrepublik, Norbert Blüm und Oskar Lafontaine, Hans Magnus Enzensberger und Klaus Staeck, Frank Schirrmacher und Roger Willemsen. Es war die breiteste Koalition, die je in der Bundesrepublik zustande gekommen war. Verständnis für die verletzten Gefühle der Muslime
17 Jahre später, nachdem die dänische Tageszeitung “Jyllands-Posten” auf einer Seite ein Dutzend Mohammed-Karikaturen veröffentlicht hatte, kam es in der islamischen Welt zu ähnlichen Reaktionen: Millionen Muslime zwischen London und Jakarta, die keine der Karikaturen gesehen oder auch nur den Namen der Zeitung je gehört hatten, demonstrierten gegen die Beleidigung des Propheten und verlangten die angemessene Bestrafung der Übeltäter: mit dem Tode. Osama bin Laden ging so weit, die Auslieferung der Zeichner zu verlangen, um sie von einem islamischen Gericht aburteilen zu lassen.
Doch anders als im Falle von Rushdie solidarisierte sich diesmal kaum jemand mit den bedrohten dänischen Karikaturisten. Im Gegenteil. Günter Grass, der die ARTIKEL-19-Aktion angestoßen hatte, äußerte sein Verständnis für die verletzten Gefühle der Muslime und die daraus resultierenden gewalttätigen Reaktionen; diese seien, so Grass, eine “fundamentalistische Antwort auf eine fundamentalistische Tat”, womit er eine Äquidistanz zwischen den zwölf Karikaturen und den Mordaufrufen auf die Karikaturisten herstellte. Bei der Gelegenheit wurde Grass auch grundsätzlich: “Wir haben das Recht verloren, unter dem Dach auf freie Meinungsäußerung Schutz zu suchen.”
Der damalige britische Innenminister Jack Straw nannte die Veröffentlichung der Karikaturen “unnötig, unsensibel, respektlos und falsch”. Der “Vorwärts”, das Organ der SPD, verteidigte die Meinungsfreiheit im Allgemeinen, meinte aber, in diesem speziellen Fall würden die Dänen die Freiheit “missbrauchen, nicht im rechtlichen, aber im politischen-moralischen Sinne”. Fritz Kuhn, 1955 geboren, hatte ein Déjà-vu: “Mich haben sie (die Karikaturen) an die antijüdischen Zeichnungen in der Hitler-Zeit vor 1939 erinnert.” Womit der damalige Fraktionschef der Grünen bewies, dass er entweder ein sensationelles pränatales Gedächtnis oder noch keine einzige antisemitische Karikatur aus dem “Stürmer” gesehen hat.
Als würden Eunuchen über Sex reden
Es war, als würden Blinde über Kunst, Taube über Musik und Eunuchen über Sex diskutieren - vom Hörensagen, denn abgesehen von “taz”, “Welt” und “Zeit” waren alle deutschen Zeitungen und Magazine der Empfehlung von Claudia Roth gefolgt - “Deeskalation beginnt zu Hause” - und hatten auf einen Abdruck der Karikaturen vorsorglich verzichtet. So wie es auch der Psychoanalytiker Horst-Eberhard Richter geraten hatte: “Der Westen sollte alle Provokationen unterlassen, die Gefühle von Erniedrigung und Demütigung hervorrufen…” Wobei Richter offen ließ, ob “der Westen” auch das Tragen von Miniröcken, den Genuss von Schweinefleisch und die Legalisierung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften unterlassen sollte, um keine Gefühle von Erniedrigung und Demütigung in der islamischen Welt hervorzurufen.
Wären die Mohammed-Karikaturen flächendeckend in der deutschen Presse nachgedruckt worden, hätten die Zeitungsleser sich selbst ein Bild machen können, wie exzessiv harmlos die zwölf Zeichnungen waren und wie bizarr und gegenstandslos die ganze Debatte, statt die Beurteilung “Experten” zu überlassen, die jede Kritik am Papst und der Kirche, jede blasphemische Kunstaktion im Namen der Meinungsfreiheit verteidigen, im Falle der Mohammed-Karikaturen allerdings plötzlich der Ansicht waren, man müsse auf religiöse Gefühle anderer Menschen Rücksicht nehmen.
Das freilich war nur eine Ausrede, eine Art Mauseloch der Angst. Denn zwischen der Rushdie-Affäre und dem Karikaturen-Debakel war einiges passiert: 9/11, die Anschläge von London, Madrid, Bali, Jakarta, Djerba, die von manchen Kommentatoren ebenfalls als Ausdruck der Erniedrigung und Demütigung der islamischen Welt durch den Westen interpretiert wurden. Vor dieser Drohkulisse schien es vernünftiger und vor allem sicherer, “Respekt” vor religiösen Gefühlen zu bekunden als auf dem Recht auf freie Meinungsäußerung zu bestehen.
Das Recht zu beleidigen ist wichtiger als der Schutz vor Beleidigung
Und es waren nur wenige, die aus der Reihe tanzten, der britische Komiker Rowan Atkinson (”Mr. Bean”) erklärte, “das Recht zu beleidigen” sei “sehr viel wichtiger, als das Recht, nicht beleidigt zu werden”, die aus Somalia stammende und damals in Holland lebende säkulare Muslimin Ayaan Hirsi Ali schrieb ein Manifest, das mit den Worten begann: “I am here to defend the right to offend.”
Aber das waren Ausnahmen. Sogar der damalige französische Präsident, Jacques Chirac, vergaß vorübergehend, dass er die “Grande Nation” vertritt, zu der auch Sartre, Voltaire und Victor Hugo gehören, und dekretierte, dass “alles, was den Glauben anderer, zumal den religiösen Glauben, beleidigen könnte, vermieden werden muss”.
So begann die geforderte “Deeskalation” nicht nur “zu Hause”, sie endete auch vor der eigenen Haustür. Denn die andere Seite denkt nicht daran zu deeskalieren. Die Fatwa gegen Salman Rushdie ist immer noch in Kraft, der Mordanschlag gegen Kurt Westergaard war nicht der erste Versuch, ein Todesurteil zu vollstrecken, dem keine Straftat zugrunde liegt. Der Islam mag in der Theorie eine “Religion des Friedens” sein, die Praxis sieht anders aus.
Mitten in Berlin lebt eine deutsch-türkische Rechtsanwältin, die vor kurzem abtauchen musste, weil sie mit Morddrohungen überzogen wurde, nachdem sie ein Buch veröffentlicht hatte. Es enthält keine einzige Mohammed-Karikatur, allein der Titel ist eine Provokation, die ans Eingemachte geht: “Der Islam braucht eine sexuelle Revolution”.
http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,669793,00.html
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