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Archive für 17.9.2009
Luxus-Neubau und verfallende NPL-Viertel. Die Immobilienkrise in Atlanta
17.9.2009 by Reitzenstein.
Hier finden Sie in wenigen Tagen meinen Bericht über die Auswirkungen der Immobilienkrise in Atlanta, GA.
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Paris – Stadt der Lichter. Auf dem GRI Summit 2009 sprachen Leuchten und Armleuchter
17.9.2009 by Reitzenstein.
15./16.09.2009 Paris
Wie jedes Jahr Anfang September fand auch dieses Jahr das GRI Summit wieder im Grand Hotel an der Oper statt. Die Mutter aller Grandhotels bot einen ebenso prächtigen Rahmen für diese wichtige Branchenveranstaltung, wie alle Jahre sonst auch.
Allerdings war am Catering zu sehen, dass das Sponsoring in Zeiten der Finanzkrise in der Immobilienwirtschaft angekommen war.
Auch der Teilnehmerkreis war kleiner geworden. Es wurde allseits positiv bemerkt, dass das Fernbleiben der „Masters of the Universe“ keine allzu große Traurigkeit bei den Teilnehmern auslöste. Jene Finanzjongleure, die vor einigen Jahren die Immobilienwelt als vermeintliche Geldmaschine für sich entdeckt hatten, waren in dort stets mit großer Geste aufgetreten.
Das Geschäftsmodell sei dem Laien hier auszugweise und vereinfacht erklärt.
Ein Manager sammelte üblicherweise Kapital ein. Ob von reichen US-Pensionsfonds, Unistiftungen oder Kleinanlegern (konservativ) oder Finanzmarktjongleuren (spekulativ) war hier nachrangig. Mit diesem Eigenkapital und geliehenem Geld von Banken – bis über 90% - wurde ein Paket Immobilien zusammengekauft. Mal war es der ganze städtische Wohnungsbestand, wie in Dresden. Mal Gewerbeimmobilien in ganz Europa.
Diese Käufe wurden in größere Pakete zusammengefasst. Die Darlehen der Banken wurden auch von diesen gebündelt und als Wertpapier gehandelt. Das schien sicher – stand doch ein realer Wert an Immobilien dahinter. Dass das nun doch nicht sicher war, weiß jeder Zeitungsleser.
Hierfür gibt es zwei vorrangige Ursachen. Eine bekannte und eine weniger bekannte.
Die bekannte ist, dass wider allen gesunden Menschenverstandes und einigen hundert Jahren dokumentierter Wirtschaftsgeschichte die Akteure am Markt von immer weiter steigenden Preisen am Immobilienmarkt ausgingen.
Wenn also 100 Millionen Euro Kapital eingesammelt wurden und dazu 900 Millionen von der Bank Ihres Vertrauens geliehen, mussten nur noch die Preise steigen – und hätten in absehbarer Zeit z. B. eine Verdoppelung des Wertes ergeben. Wenn nun der Wert bei zwei Milliarden Euro gelegen hätte hätte die Bank ihre 900 Millionen irgendwann zurück erhalten und die Anleger hätten aus 100 Millionen, 1,1 Milliarden gemacht. Einerseits hätten die Banken Zinsen erhalten, andererseits kommen ja auch Mieten herein. Damit werden nicht nur Zinsen gezahlt, sondern auch Anleger reich gemacht. Aber eben nur auf dem Papier. Da Bewertungsgutachten nicht bei Porsche an der Kasse aktzeptiert werden, kauften und verkauften die Manager in der Hoffnung auf die Wertsteigerung die immer gleichen Immobilien weiter und weiter – in der Hoffnung, dass jemand kommt, der noch mehr für ein Paket bezahlt.
Hierdurch sollten die Anleger noch reicher werden. Denn Gewinne wurden nicht mehr vorrangig durch Die Mieten abzüglich Zinsen und Tilgung erzielt – so wie Otto Normalanleger mit Immobilien Geld verdient.
Die Gewinne waren vorrangig Bewertungsgewinne. Und die hatten etwas mit Nachfrage zu tun.
Die Nachfrage war auch da. Vor allem, da die Manager, die ein Portfolio verkauften, hierfür eine Prämie bekamen. Die die kauften bekamen auch eine Prämie. Die Anwaltskanzleien, die diese Verkäufe begleiteten schrieben Rechnungen in Höhen, die etwas höher waren als Gebühren in Verkehrsrechtsverfahren.
Doch bei dem ganzen Spiel gab es ein Problem: Der Markt verlor völlig aus den Augen, was die Immobilien wirklich wert waren. Denn ob nach HGB oder IFRS oder Verkehrswert bewertet – der Wert eines jeden Wirtschaftsgut kann immer unterschiedlich bewertet werden, je nach Standpunkt.
Sinnvoll wäre gewesen, zu ermitteln, was beispielsweise eine Büroimmobilie in Sachsen, kurz vor der polnischen Grenze mit nur einem Mieter auf 20% der Flächen an Kaufpreis bringen würde, wenn sie morgen verkauft würde. So hat aber kaum jemand gerechnet.
Denn die Prämien wurden nach der Höhe des Paketwertes bezahlt. In solchen Paketen waren sehr werthaltige Immobilien in Spitzenlagen jedoch ebenso enthalten, wie Schrott. Ein Insider berichtete, wie ein Verkäufer den Wert seines Portfolios mit maximal EUR 1,2 Mrd. angab – also im besten aller Fälle; bei bester Preisentwicklung am Markt, besten Mieten, bester Wirtschaftslage, niedrigsten Instandhaltungskosten, pünktlichst zahlenden Mietern ohne Leerstände, Mieterpleiten, etc. Alle Beteiligten wussten, dass das Portfolio also einen nachhaltigen Wert von ca. der Hälfte, also EUR 600 Mio. hatte. Nun fragte der Käufer, ob er statt 1,2 Mrd. auch 1,5 Mrd. bezahlen dürfe – denn dort begann seine nächste Bonusstufe. Der Verkäufer war begeistert, so machte auch sein Team einen besseren Schnitt.
Auf dem GRI in Paris berichtete ein Teilnehmer, dass ein Unternehmen ein Portfolio für EUR 3 Mrd. innerhalb von drei Wochen gekauft habe. Steuern, Verträge, Notar – unmöglich in so einer kurzen Zeit. Doch die Käufer hatten clever einen Trick gefunden. Sie haben die Immobilien einfach weder besucht, noch überprüft.
Der Markt ist zusammengebrochen, es wird kaum noch ein Transaktionsgeschäft getätigt. Nun sitzen plötzlich Manager, die viel Expertise im Transaktionsgeschäft haben auf einem bunten Portfolio von Immobilien, die sie nie gesehen haben. Und die Banken wollen ihre Zinsen. Nun können diese nicht mehr durch Verkaufsgewinne bezahlt werden – die Manager müssen ihre Immobilien ebenso bewirtschaften wie Otto Normalimmobilienbesitzer.
Fragt man die Manager nun, was sie tun, wo doch keine Transaktionen mehr laufen, kommt zumeist die Antwort: „Aktives Assetmanagement.“ Fragt man nach, was darunter verstanden wird kommen oft zwei Dinge heraus: Einerseits wird das kleine 1×1 der Immobilienbewirtschaftung gelernt, Kapitel „Der Mieter, das unbekannte Wesen.“. Andererseits wird die Zeit damit totgeschlagen, zu den vielen Immobilien einmal hinzufahren, die man gekauft hat.
Mancher wundert sich dann, immer Wein gepredigt zu haben – „Wichtig sind vor allem drei Dinge: Location, location, location.“ Und nun fliegen sie von London nach München, steigen in ein Auto um und stellen nach fünf Stunden Reisezeit fest, dass es gar nicht so einfach ist, von London aus die Mieter in Sonthofen im Allgäu oder in Weißwasser an der polnischen Grenze zu betreuen, dort für neue Dachrinnen oder einen Auftrag für eine neue Zufahrt vor Ort zu verhandeln.
Mancher wundert sich auch, was die Ruine auf dem von ihm geschriebenen Papier wert sein soll, wenn er staunend davor steht.
Denn auf dem Papier sahen alle Immobilien gut aus, vor allem, wenn sie gute Mieten generierten – Cash-flow macht Spaß.
Ein Anwalt einer internationalen Kanzlei berichtete über einen Kunden, der in einem kurz vor dem Crash gekauften Portfolio eine neue, voll vermietete Immobilie fand, die einen sehr guten cash-flow hatte. Jüngst wollte er diese als erste von ca. 30 Immobilien besichtigen. An der im Grundbuch definierten Adresse angerufen, griff er zum Telefon und kontaktierte seinen Anwalt: Die Immobilie war nicht da. Der Manager stand auf einer grünen Wiese. Später stellte sich heraus, das der Verkäufer quasi vergessen hatte, die Immobilie zu bauen. Aber der cash-flow sah auf dem Papier gut aus.
Die Frage ist nun, mit wessen Geld die nichtexistente Immobilie bezahlt wurde.
Die Frage ist auch, warum die Kreditgewährung an Unternehmen seit Jahren immer schwieriger wird mit Verweis auf Basel II, Banken aber den Kauf von Phantomimmobilien und Ruinen finanziert haben im Wissen, dass Käufer und Verkäufer hierfür Ihren Managern hohe Boni ausschütten. Also erhielten die Banker auch Boni – denn sie hatten ja Kredite verkauft.
Ein erfahrener Marktteilnehmer aus London berichtete, dass er solche Vorgänge häufiger erlebt habe, aber er eine Befürchtung für die Zukunft habe:
Wenn einer aus der Krise gelernt habe, dann die Banken. Denn nun wissen diese, dass Sorglosigkeit belohnt wird: Entweder es gibt viel Gewinn, dann werden die Mitarbeiter großzügig entlohnt und die Bank wächst. Oder es gibt Verlust und den zahlt der Steuerzahler. Wichtig ist nur, dass die Bank so groß wird, dass die Volkswirtschaften zu viel Angst haben, sie in die Insolvenz zu lassen.
Eben hat die Commerzbank sehr viel Geld vom Steuerzahler bekommen, weil sie dringend Geld zum Überleben brauchte. Und dann anschließend viel Geld ausgegeben, um die Dresdner Bank zu kaufen. Dafür hat es dann noch gereicht. Nun ist sie die zweitgrößte deutsche Bank. Und sie kann sicher sein, dass sie nicht pleite gehen wird.
Das war auch die Einschätzung der Marktteilnehmer auf dem GRI in Paris. Einige sahen die Talsohle schon durchschritten, einige noch weitere Talfahrt. Einigkeit herrschte jedoch darin, dass in 10-15 Jahren das Feuerwerk von neuem beginnt.
Und ein französischer Banker mit einer feinen Lebensart kicherte: „I love Fireworks!“
Julien Reitzenstein Wilhelm von Reitzenstein
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Was denkt eigentlich Professor Dr. Norbert Walter über Immobilienmanager?
17.9.2009 by Reitzenstein.
Prof. Norbert Walter (geb. 1944) ist seit 1990 Chefvolkswirt der Deutsche Bank Gruppe.
Als Chefvolkswirt liebt Norbert Walter die Debatte, und viele sehen ihn in den abendlichen Nachrichten - wie er selber sagt - wie eine Tasse Espresso: klein, schwarz und stark.
Immobilienmanager: Herr Professor Walter, welches Image und welche Stärken und Schwächen sehen Sie bei Immobilienmanagern?
Prof. Walter: Über 80% des gesamten deutschen Nettoanlagevermögens entfällt auf Bauten. Das entspricht der unglaublichen Summe von 6,6 Bill. Euro. Es ist immer wieder faszinierend, dass eine solch gewaltige Anlageklasse in der Politik, in den Medien und wohl auch in der Wissenschaft vergleichsweise wenig Beachtung findet. Die Immobilienwirtschaft tut sich also offenbar schwer, ihre Bedeutung angemessen zu kommunizieren. Natürlich hat dies auch damit zu tun, dass die Branche vergleichsweise intransparent ist. Geringe Transparenz kann für Marktteilnehmer Vorteile bringen, denn sie erlaubt mitunter Extrarenditen. Allerdings bedeutet mangelnde Transparenz auch immer, dass schwarze Schafe zu spät entdeckt werden. Wenn sie aber gefunden werden, belastet dies gleich das Image einer ganzen Branche. Der Weg zu mehr Transparenz, der in den letzten Jahren erfolgreich beschritten wurde, muss also unbedingt fortgesetzt werden, denn wir sind noch nicht am Ziel.
Immobilienmanager: Was können Immobilienmanager tun, um ihr Image weiter zu verbessern?
Prof. Walter: Natürlich geht es auch hierbei um Transparenz. Bei Bankgeschäften geht es um Vertrauen. Dies muss man sich verdienen. Bei einer jungen Geschäftsbeziehung gelingt dies am besten durch umfassendes Informieren und durch einen professionellen Auftritt. Es muss einen gut dokumentierten Geschäftsplan geben. Echte Immobilienprofis sind meistens besser im Auffinden der Rosinen auf den Immobilienmärkten als ein Bankangestellter. Das hat auch etwas mit Gespür zu tun. Um seine Bank zu überzeugen, bedarf es nicht nur der Begeisterung für ein Projekt, sondern eben auch möglichst vieler harter Indikatoren und Fakten.
Immobilienmanager: Wie sieht Ihre Traumimmobilie aus?
Prof. Walter: Unserem Alter gemäß, möglichst auf einer Etage, mit kleinen überschaubarem Rosen- und Kräutergarten – Lage Rhein Main ist nicht schlecht wegen Logistik und Klima.
Immobilienmanager: Wie wohnen Sie derzeit?
Prof. Walter: In einer Doppelhaushälfte – Alles stimmt bis auf die vielen Treppen!
Immobilienmanager: Welches Investitionsverhalten empfehlen Sie derzeit Immobilienmanagern - für ihr Unternehmen und ihr privates Portfolio?
Prof. Walter: Es besteht sicherlich kein Grund zur Hetze. Zwar gibt es vermehrt positive Konjunkturhinweise. Doch die Entwicklung ist weiterhin labil, und die Probleme auf den Arbeitsmärkten sind natürlich alles andere als ausgestanden. Das wird noch mindestens bis 2010 die Nachfrage nach Büroimmobilien dämpfen. Und seien wir ehrlich, viele Marktteilnehmer haben derzeit auch keine Möglichkeit zur Hetze. Ein Sinken der Mietrenditen ist also erst einmal nicht in Sicht. Die Entwicklung auf den Wohnungsmärkten ist insgesamt günstiger, weil die Zahl der Fertigstellungen auf historischem Tiefpunkt ist und weil es keine Übertreibungen auf den Wohnungsmärkten gab wie in anderen Ländern. Natürlich engt die Rezession auch den Preissetzungsspielraum bei Wohnimmobilien ein, heftige Korrekturen sind jedoch für die allermeisten Märkte nicht zu befürchten. Gerade private Kaufinteressenten können zudem von den derzeit sehr niedrigen Finanzierungszinsen profitieren. Allerdings gilt auch hier: Es gibt keinen Anlass, die gründliche Prüfung der Immobilie und der eigenen finanziellen Spielräume und Risiken zu vernachlässigen, um ein paar Tage oder Wochen früher zu kaufen.
Immobilienmanager: Wie optimistisch sollte die deutsche Wirtschaft in die Zukunft blicken?
Prof. Walter: Die Saison der Abwärts-Revision der Prognosen vorüber, die Bodenbildung hat eingesetzt. Aber auch nach den Stabilisierungen bei Geschäftsklima, Aufträgen und Produktion sollten wir die Höhe des Absturzes, den wir hinter uns haben, nicht aus dem Blick verlieren. Die Auftragseingänge lagen im April/Mai um ein Drittel unter Vorjahr und die Produktion war fast ein Viertel niedriger.
Immobilienmanager: Herr Professor Walter, vielen Dank für das Gespräch.
Veröffentlicht im Immobilienmanager Magazin
Julien Reitzenstein Wilhelm von Reitzenstein
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Büffeln für die Jagd
17.9.2009 by Reitzenstein.
Es gibt Manager, die schwärmen von Ökologie, von Umwelt- und Naturschutz. Gewiss ist es gut, oft über diese Dinge zu reden. Wenn dies jedoch nur geschieht, um „Green-Buildings“ oder Öko-Fonds besser zu verkaufen, geht es Tieren und Pflanzen auch nicht besser.
Andere hingegen haben sich still dem Umwelt- und Naturschutz verschrieben. Sie tauschen am Freitagnachmittag den Maßanzug und Bockskalblederschuhe gegen Lodenkleidung und Gummistiefel. Statt Charts zu prüfen, prüfen sie die Standfestigkeit von Hochsitzen, statt Schadenanalysen an Immobilien beurteilen sie den Verbiss an Gehölzen oder die Schäden von Wildschweinen in Maisfeldern. Sie zäunen Baumbestände ein oder legen Impfköder gegen die Tollwut.
Und einige Male im Jahr blasen sie auch zur Jagd. Jäger und Immobilienmanager gehören vermutlich zu den am meisten missverstandenen Gruppen in Deutschland. Denn der öffentlichen Wahrnehmung entgeht oft, dass Immobilienmanager nicht nur Mieten erhöhen und Millionen ergaunern, sondern mit einem breiten Spektrum an Wissen zum Gleichgewicht der Volkswirtschaft beitragen. Und zum Tätigkeitsfeld des Jägers trägt die Nutzung von Flinte und Büchse auch nur einen Teil bei. Wissen um die Zusammenhänge der Natur ermöglicht es dem Jäger, zur Hege des Wildes ein Gleichgewicht der Natur in seinem Revier zu erhalten.
Dennoch gehört die Hege mit der Büchse auch zur Herstellung dieses Gleichgewichts. Immer mehr Jäger legen Wert darauf, dem Wild Streß zu ersparen. Daher veranstalten sie im Jahr nur eine oder zwei Gesellschaftsjagden. Solche Jagdveranstaltungen haben zumeist ein erheblich höheres gesellschaftliches Niveau, als Golfturniere oder andere Massenphänomene. Auf diesen Jagden findet man keine schießwütigen Rambos – vielmehr finden sich hier Eliten verschiedenster Branchen, um unbeschwert von Zwängen die gemeinschaftlichen Interessen zu pflegen und bei den Abendveranstaltungen über Jägerlatein und Business zu sprechen.
Doch die Eintrittskarte in diese Welt ist nicht käuflich. Sie muss von jedem gleichermaßen erarbeitet werden: Der Jagdschein. Und den erhält nur, wer eine Jägerprüfung bestanden hat. Die einen berichten davon, dass diese die größte intellektuelle Herausforderung ihres Lebens gewesen sei. Andere schrieben lieber eine weitere Dissertation oder wären Bernard Madoff, als noch einmal eine solche Prüfung abzulegen.
In der Tat ist für ein Bestehen der Prüfung ein profundes Wissen über Naturschutz, Wildbiologie, Waffenrecht, Zoologie und vieles mehr erforderlich. Da moderne Manager oft gar nicht die Zeit haben, jede Woche ein paar Tage zu lernen und zum Kurs zu gehen, sind die Durchfallquoten oft hoch. Das führt dazu, dass gerade unter den Leistungsträgern oft gar keine Möglichkeit besteht, zum Jagdschein zu gelangen.
Doch gerade diese Leistungsträger pilgern seit 1998 nach Grambow bei Schwerin. Das Gut Grambow wird von Jutta und Martin Lösch bewirtschaftet. Neben Vieh- und Forstwirtschaft, sowie einer Reitschule hat Gut Grambow noch zwei weitere Highlights: Jutta Lösch und Rixa Herzogin von Oldenburg entwerfen und vertreiben von hier besonders pfiffige Jagdmode. Und Martin Lösch betreibt hier mit Dr. Helmut Herbold eine der erfolgreichsten Jagdschulen in Deutschland. Hier kann man schon nach zwei Wochen Unterricht die Jägerprüfung ablegen.
„Unsere Besteherquote liegt bei 98%“, erklärt Dr. Herbold, der Schulungsleiter. „Das konnte ich zunächst kaum glauben“, berichtet Thomas Scheuse. Der Düsseldorfer berät mit seinem Unternehmen kommunale Unternehmen in Energiefragen, oft auch Wohnungsunternehmen. „Darum habe ich mir bei der für die Prüfungen zuständigen Unteren Jagdbehörde erst einmal den Prüfungsaufbau erklären lassen. Nachdem ich wusste, dass bei der staatlichen Prüfung bis zu zwanzig Prüfer und Beisitzer in fünf Fächern eingesetzt wurde, war mir klar, dass die Besteherquote kaum mit laschen Prüfungsbedingungen zusammenhängen kann.“ Dem pflichtet Dr.
Die Klassen sind klein: Die Lehrer Dr. Helmut Herbold, Felix von Loe, Hubert Saunus und Uwe Büttner unterrichten in diesem Fall neben Dr.
Immobilienmanager auf der Jagd
Ein Interview mit Prof. Dr. Hanspeter Gondring von der Akademie der Immobilienwirtschaft in Stuttgart:
Immobilienmanager: Herr Professor Gondring, wie sind Sie als Immobilienprofessor zur Jagd gekommen?
Prof. Gondring: Meine Familie kommt aus dem forstwirtschaftlichen Bereich, da war das Interesse für Natur und Jagd von klein auf da.
Immobilienmanager: Was fasziniert Sie an der Jagd?
Prof. Gondring: In meinem Beruf bin ich den ganzen Tag von Menschen umgeben, von e-mails, Faxgeräten, Telefonen, Blackberries – wenn ich im Wald bin, habe ich sofort eine „kleine Auszeit“. Oft treffen Menschen Fehlentscheidungen, weil die Zeit fehlt, Dinge zu durchdenken. Wenn ich auf einem Hochsitz sitze, in die Natur schaue und warte, habe ich diese Zeit.
Immobilienmanager: Als Wirtschaftswissenschaftler können Sie gewiss die ökonomischen Aspekte der Jagd erklären?
Prof. Gondring (lacht): Zuerst ist da einmal die Gesundheitsökonomie. Die eigentliche Jagd macht nur etwa 5% meiner Tätigkeit im Revier aus. Hochsitze müssen gebaut und unterhalten werden, Wege müssen angelegt werden, in Futternotzeiten muss das Wild gefüttert werden, Hütten und Zäune müssen repariert werden – das ist viel körperliche Arbeit an der frischen Luft – das bietet mir kein Fitnessstudio und auch kein Golfplatz.
Zudem ist ein Jagdrevier eine teure Angelegenheit. Daher ist es auch wichtig Beute zu machen, um den Wildverkauf kostenmindernd einzusetzen.
Immobilienmanager: Welche Immobilienmanager sollten einen Jagdschein machen?
Prof. Gondring: Diejenigen, die die Liebe zu Natur und Wild spüren. Wenn ich mit einem Geschäftsfreund abends auf dem Ansitz sitze, übernachte in einer Jagdhütte und ziehe im Morgennebel auf die Pirsch, ist das eine sehr intime Form von Kontaktpflege. Auf einem Kongress drei Minuten plaudern und Visitenkartentauschen ist damit nicht vergleichbar. Die Netzwerke unter Jägern sind sehr belastbar und fruchtbringend.
Immobilienmanager: Herr Professor Gondring, wir bedanken uns für das Gespräch.
Erschienen im Immobilienmanager Magazin
Geschrieben in Savoir Vivre | Keine Kommentare »