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Archive für Juli 2008
Obama in Berlin - Wirklichkeit und Vision
25.7.2008 by Reitzenstein.
In den hiesigen Redaktionsstuben wird gerätselt: Warum kommen in Berlin mehr Menschen zu einer knapp halbstündigen Rede von Barack Obama, als bei all seinen, oft mit riesigem finanziellen Aufwand durchgeführten Veranstaltungen in den USA. Zumal die Deutschen den amerikanischen Präsidenten überhaupt nicht wählen.
Als deutscher Journalist wird man oft angesprochen, ob die Europäer denn gar nicht die Gefahren sähen, die von Obamas derzeitigen Ansichten zum Freihandel für die Bürger der EUR drohen. Unlängst fragte mich ein Beamter einer Bundesbehörde, ob wir nicht diesen Obama zum Bundeskanzler machen und ihnen dafür Helmut Kohl überlassen können.
Nun gibt es immer noch viele Deutsche, die Helmut Kohl in die Wüste schicken möchten und sei es die Wüste von Nevada oder New Mexico. Andererseits gibt es in diesen Wüsten keine blühenden Landschaften, sondern nur wüste Aussichten. Während in Mitteldeutschland auch wüste Aussichten bestehen aber die Infrastruktur verglichen mit einigen Regionen in Westdeutschland durchaus blühend ausschaut.
Was würde Obama also in Berlin tun? Ein Versuch:
Berlin, den 20. Januar 2009. 6h früh. Barack Obama wacht im kleinen Apartment im achten Stock des Bundeskanzleramtes auf. Blauer Himmel über Berlin. Sein persönlicher Referent klopft: „Herr Bundeskanzler, pardon Mr. Chancellor, may I present you the schedule for today?“ Obama sieht auf die Papiere, auf den Referenten und dann aus dem Fenster. Und er denkt bei sich: “Here we go.” Vor dem Seiteneingang warten Polizeibeamte im Jogging-Outfit. Die alte Schutztruppe von jogging Joschka wurde wieder in den Einsatz gerufen. Dann geht es durch den Tiergarten. Den liebt Obama, seit er hier am 24. Juli 2008 seine Rede gehalten hat und feststellte, dass die Deutschen ihn noch mehr mögen als die Amerikaner. Und dass er einen Politikstil hat, den in Deutschland nur er hat. Gewiss war es für die Deutsche Politik nicht einfach nach dem Raketenangriff auf den Luftwaffenairbus mit fast dem gesamten Bundeskabinett auf den Weg nach Brüssel. Und die dann anstehenden Neuwahlen waren auch noch zeitgleich mit den US-Wahlen. Während in den USA John McCain mit einer Mehrheit von nur 23 Stimmen Präsident wurde – die Wahlautomaten hatten wieder seltsame Ausfälle und die Auszählungen von Hand und und und – genau wie in Florida im Jahre 2000.
Und als dann der SPD-Kanzlerkandidat Kurt Beck nur 18% der Stimmen bekam, der CDU-Spitzenkandidat Volker Kauder auch nur 21%, Guido Westerwelle zwar mit 23% mit der Regierunsbildung beauftragt wurde, aber die Grünen mit 17% und die Linke mit 20% Obstruktion übte, war eben nur ein überparteilicher Kanditat durchsetzbar. So wählten CDU, FDP und Grüne Barack Obama zum Bundespräsidenten. Die taz nölte zwar, weil Obama der Einbürgerungstest erspart wurde und er per Verwaltungsakt zum Deutschen gemacht wurde. Aber nun war er Kanzler. Und sein Amtsantritt lag ausgerechnet am 20. Januar, dem Datum, dass der XX. Verfassungszusatz in den USA für den Amtsantritt des Präsidenten festsetzt.
Schon nach wenigen Metern im Tiergarten wunderte sich Bundeskanzler Obama. Auf den Parkbänken schliefen Menschen. Und weit und breit kein Polizist, der sie wegen Loitering – Rumlungern einsperrt…! Die Begleitbeamten berichteten davon, dass im Tiergarten nachts auch viele Schwule sich treffen und austauschen und das die Prostitution hier floriert. „But his is just a few meters from the chancellery! We have to change that.“ “Das ist nicht möglich, Herr Bundeskanzler.” “Yes we can!” rief Bundeskanzler Obama und schmunzelte. Dann umrundete er die Siegessäule. „I remember the history of this column. The german wars against
Doch Obama ist es Ernst. Er will die Siegessäule wieder zwischen dem Reichstag und seinem Arbeitszimmer haben.
Zurück im Kanzleramt duscht der Kanzler, zieht sich um und hat dann ein Telefonat mit Helmut Kohl in Washington. Der Altkanzler ist Sonderbotschafter im Stab des Präsidenten, zuständig für den Neuaufbau guter Beziehungen zu Europa. Wer könnte das besser, als der einzige Ehrenbürger Europas, den der ganze Kontinent sehr schätzt und achtet – mit Ausnahme der Deutschen. Botschafter Kohl betreut also von Amts wegen Kanzler Obama – nicht ohne mit persönlichen Ratschlägen zu sparen. Besonders für den Auftritt vor dem Bundestag um 9h.
Als Bundeskanzler Obama um 8:30h vor dem Kanzleramt vor die Presse tritt (…)
…to be continued…
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At a glance - Journalismus in den U.S.A.
19.7.2008 by Reitzenstein.
Wenn deutsche Immobilienmanager nach Großbritannien kommen, sind sie oft erstaunt, welch angesehener Berufstand der Chartered Surveyor ist. Wird doch ein Makler in Deutschland landläufig nicht zu den sehr angesehen Berufen gezählt.
Ähnlich ist verhält sich das mit dem Journalismus in den USA. Hier sind die Journalisten vielleicht auch nicht so hoch geachtet wie Hochschullehrer oder Ärzte, aber sie genießen hohen Respekt. Das hängt vielleicht auch damit zusammen, dass Journalisten hier oft auch gefürchtet sind. Denn die „wir haben uns alle lieb Konsenspresse“ ist hier weniger üblich.
Investigativer Journalismus ist hier eher der Normalfall, das Abtippen von Pressemeldungen die Ausnahme. Allerdings sind auch jene, deren Taten durch investigativen Journalismus in die Öffentlichkeit kommen, wenig zimperlich in ihrem Bemühen sich zu wehren. Schnell geht es hier um sechstellige Streitwerte.
Die Redaktionen achten daher zudem weit weniger darauf, ob jemand eine journalistische Ausbildung hat. Vorrangig zählen hier drei Dinge:
Talent zum Schreiben, eine gute Reputation und einen gesunden Menschenverstand.
Die erste Voraussetzung betrifft jedoch nicht nur sprachliches Talent. Seine Zielgruppen zu kennen, den Finger am Puls der Zeit zu haben und zu spüren, was Menschen bewegt, gehört auch dazu.
Die zweite Voraussetzung hat etwas damit zu tun, dass hier investigativer Journalismus eine bedeutende wirtschaftliche Auswirkung haben kann. Es gibt in den USA nicht wenige Journalisten, die noch andere Beteiligungen besitzen – vom Restaurantbesitzer bis zum Autohauseigentümer. Allerdings fällt auf, dass dies eher Investments sind und weniger operative Tätigkeiten. Im Gegensatz zu Europa wird es hier begrüßt, wenn ein Journalist sich so auch wirtschaftlich unabhängig macht. Allerdings ist daher bei der Reputation besonders wichtig, dass es keine Urteile gab, keine Strafbefehle, Verhaftungen, Bankrotte und die wirtschaftlichen Verhältnisse geordnet sind. Denn nur so, so erklären es Amerikaner, kann sicher gegangen werden, dass Journalismus sauber und glaubwürdig ist. Ein wirtschaftlich unabhängiger Journalist der nie mit dem Gesetz in Konflikt stand, hat nämlich auch eine größere Glaubwürdigkeit, wenn er in presserechtlichen Dingen vor Gericht auftritt. Vor allem wenn er mit seinen Artikeln schwarze Schafe in die Öffentlichkeit bringt.
Zwar ist es seit Alexis’ de Toquevilles „Über die Demokratie in Amerika“ allgemein bekannt, dass Pleitiers hier erheblich einfacher eine zweite, dritte und vierte Chance bekommen. Carl Fisher, der Miami erschuf ist hier ein ebenso bekanntes Beispiel wie Donald Trump. Aber das gilt eher für Unternehmer, als für Journalisten.
In einer deutschen Metropole treibt beispielsweise in „Journalist“ sein Unwesen der sowohl als Unternehmer eine Pleite hingelegt, als auch Privatinsolvenz hinter sich hat. Er firmiert als „Chefredakteur“ –allerdings hat wohl noch kein Zeitungskiosk je eine Zeile von ihm gesehen- und kassiert auch schon mal Urteile wegen wissentlicher Falschbehauptungen, die er aus sehr eigenen Interessen verbreitete. Die Kosten des Gerichtsverfahrens oder gar Schmerzensgeld zahlt er aber nicht. Schließlich ist er Pleitier. „Ist der Ruf durch Insolvenz erst ruiniert, lebt’s sich gänzlich ungeniert?“ So jemand hätte in US-Redaktionen wohl kaum eine Chance.
Den Unvorbereiteten würde die Frage nach Auszügen aus Auskunfteien und polizeilichen Führungszeugnissen wohl befremden. Aber bei näherem Hinsehen sind amerikanische Kriterien an die Glaubwürdigkeit von Journalisten ebenso einleuchtend, wie das Interesse an deren wirtschaftlicher Unabhängigkeit.
Der gesunde Menschenverstand ist besondern gefragt. Die Fähigkeit, sich rasch in neue Sachfelder einzuarbeiten wird als Selbstverständlichkeit angesehen. Ebenso ein gutes Allgemeinwissen und die Fähigkeit seine Nachrichten auch im Dialog gut zu verkaufen und die publishing company zu repräsentieren.
Aber gerade im Bereich des investigativen Journalismus ist der gesunde Menschenverstand nicht nur Voraussetzung für eine gute Spürnase. Da viele der schwarzen Schafe über sehr große Ressourcen verfügen, um ihr Handeln zu verschleiern und juristische Abwehrschlachten zu führen, gilt es das Handeln zu durchschauen und vor allem gerichtsfest zu belegen. Denn gerade diese juristisch sauberen Belege sind die Grundlage für die Berichterstattung im Wirtschaftsjournalismus.
Der Umgang verschiedener Soziotope mit Journalisten ist besonders bemerkenswert. Für Teile des Establishments sind Journalisten, insbesondere Wirtschaftsjournalisten, die unerwünschte Speerspitze der Öffentlichkeit. Hier wird daher bei persönlichen Kontakten nicht an Liebenswürdigkeit gespart – bis der Journalist um die Ecke gebogen ist. Bei den „kleinen Leuten“ sind Journalisten oft noch Helden. Denn sie werden als Sprachrohr für die Interessen der Gesellschaft verstanden. In Gesprächen stellt sich dann oft heraus, dass die Politikverdrossenheit gegenüber „denen in Washington D.C.“ so groß ist, dass die Presse für viele die wahre Opposition ist.
(Journalistisches Arbeitsumfeld in Atlanta, GA - vorne die Olympische Flamme, dahinter CNN Headquarters, links davon eines der Gebäude für Spezialisten, Auslandsexperten und Zulieferredaktionen.)
Die Wertschätzung für Journalisten zeigt sich auch bei der Auswahl des Arbeitsumfeldes. So sind beispielsweise in Atlanta sowohl CNN, als auch die zahlreichen Zulieferredaktionen und Auslandsexperten unmittelbar am Olympiapark ansässig. Und das ist nicht nur eine gute Atmosphäre, sondern auch ein gutes Omen. Die olympischen Tugenden als Maßstab für journalistische Arbeit ist nicht die schlechteste aller Welten.
Herzlichst,
Ihr
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Kitty Hawk - survival of the fittest!
16.7.2008 by Reitzenstein.
Liebe Leser,
hier kommen die versprochenen Fotos aus Kitty Hawk. Der zugehörige Artikel wird hier nach der Veröffentlichung im September eingestellt.
Vor der Nordostspitze des Bundesstaates North Caronlina befindet sich eine Inselkette. Auf einer davon liegt die Gemeinde Kitty Hawk. Hier fanden Wilbur and Orville Wright, zwei Fahrradmechaniker aus Ohio, im Jahre 1902 nicht nur stetigen und gleichbleibenden Wind, sondern in den Dünen der Kill Devil Hills jene Baumfreiheit, die es ihnen ermöglichte, Versuche mit Flugdrachen und Gleitern vorzunehmen. Diese Fluggeräte bauten sie in einem Schuppen. Der daneben gelegene Schuppen diente als Sommerhaus.
Die Gleiter waren bald technisch so fortgeschritten, dass sie durch Verwindungsmechanik hervorragend manövierbar waren.
Am 17.12.1903 unternahm Orville dann einen Flugversuch mit einem Gleiter, in den die Brüder einen Vierzylindermotor einbauten. Den allerdings ohne Wasser- oder Luftkühlung, um Gewicht zu sparen.
Der erste Motorflug dauerte 12 Sekunden und überbrückte die Distanz von 37 Metern. Doch die folgenden Flüge an diesen Tag - bei denen die Brüder sich abwechselten - brachten gleich neue Langstreckenrekorde: Bei 59 Sekunden und 260 Meter war den Brüdern klar, dass ihnen eine technische Revolution geglückt war.
Heute zeigt ein Gedenkstein den Abflugort an und steinerne Marken die ersten vier Landepunkte:
Rechts im Bild der Gedenkstein.
Nach dem Besuch dieses National Monument empfiehlt sich immer ein Besuch im wenig weiter nördlich gelegenen Sea Drum Restaurant, direkt am Deich. Die frischen, gelben Thunfische und die frisch gedünsteten Krabben sind hier eine Sensation…
Im nächsten Teil geht es um den historischen Albemarle Highway nach Norfolk, VA. Dort finden sich historische britische Dörfer, die sich nicht von Wales oder Cornwall unterscheiden - außer durch bei der Anzahl der Fastfoodrestaurants.
So long,
Yours,
Reitzenstein
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Blogfotos
13.7.2008 by Reitzenstein.
Gern berücksichtige ich die geäußerten Wünsche, meine Blogbeiträge in Zukunft mit Fotos zu versehen, insbesondere von meinen Reisen, wie dem Trip am vorvergangenen Freitag nach Paris, meinen Reportagen oder meinem neuen Wirkungsfeld.
In den nächsten Tagen stelle ich einige Fotos meiner Kitty-Hawk-Reportage ein. Meine nächsten Reisen führen mich nach New York, Charlotte NC, Washington D.C. und wieder nach Norfolk, VA. Auch hiervon seien schon jetzt Fotos versprochen.
Allerdings bitte ich um Verständnis, dass die zugehörigen Artikel erst immer dann eingestellt werden, wenn diese in dem beauftragenden Magazin erschienen sind.
Bis dahin verbleibe ich mit einem herzlichen Gruße aus den USA,
Ihr
Julien Reitzensten
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It becomes ernest - es wird ernst. Interviews auf English!
8.7.2008 by Reitzenstein.
So, nun hat der Ernst des Lebens begonnen: Eine Reportage über die Gebrüder Wright und ihren Vordenker Otto Lilienthal - an der Stätte des ersten Motorfluges in Kitty Hawk.
Von dort geht es nach Norfolk, VA - das Hauptquartier der US Navy. Die Anlage ist eine der größen Liegenschaften der USA. Vom U-Boot-Bunker bis zum Verwaltungshochhaus - die Anforderungen an die hiesigen Immobilienmanager sind sehr unterschiedlich. Und die Lösungen recht pragmatisch.
Und dann folgen die zugehörigen Interviews in Washington. Denn die amerikanischen Streitkräfte waren pfiffig. Sie nutzten die Immobilienkrise, um jene Offiziere zurück zu holen, die nach ihrem Ausscheiden in die Immobilienbranche gewechselt haben. Ein ehemaliger Marinefliegeroffizier verrät unseren Lesern, warum ein Austausch zwischen beiden Welten sinnvoll ist.
So long,
herzlichst
Ihr
Julien Reitzenstein
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Die Zukunft des österreichischen Bau- und Immobilienmarktes – Rückkehr zu alten Tugenden
8.7.2008 by Reitzenstein.
Die sieben Schritte zum Projekterfolg
Die Situation
Lakshmi Mittal ist wohl ein glücklicher Mann – denn nicht nur sein weltweites Stahlimperium wächst, sondern auch der Stahlpreis. Würde die Immobilienbranche ähnlich funktionieren, würden Immobilienmanager gewiss die Tanzschulen bevölkern, um Freudentänze zu lernen. Doch leider steigen die Immobilienpreise nicht so, wie die Stahlpreise - im vergangenen Jahr ca. 7 %. Und das vergangene Jahr ist hier eher Trendsetter als Ausnahme. Dies stellt die Marktfähigkeit bisheriger Abwicklungsstrategien, wie beispielsweise der Generalüber- bzw. Generalunternehmerrealisierungen in Frage. Denn ausschreibende Auftraggeber, wie z. B. Projektentwickler und Investoren, sehen sich immer mehr der Situation ausgesetzt, dass Projektbudgets regelmäßig durch die Angebote um bis zu 20 % überstiegen wurden.
Letztendlich war vor allem der Subunternehmermarkt durch eine gestiegene Baukonjunktur bzw. die in den Jahren zuvor erfolgte Marktbereinigung mit Aufträgen so ausgelastet, dass die Preissteigerungen durch die Mittelständler direkt an die Generalunternehmer weitergegeben bzw. keine Angebote mehr abgegeben wurden.
Die Konsequenz war, dass die klassischen Generalunternehmer für die Auftraggeberseite oft nicht mehr kostendeckend anbieten konnten und sie damit in Europa eine stark verminderte Marktpräsenz haben. Dies beeinflusst heute vor allem den Markt der Projektentwickler, da die Schere zwischen knappen Mieteinnahmen und den Marktpreis bedingten Herstellkosten weit auseinanderklafft.
Doch Österreich ist hier keine Ausnahme: Auch in Deutschland hat sich die Marktbereinigung durch den Wegfall von großen GU-Anbietern sehr bemerkbar gemacht. In Dänemark wird der GU-Markt vor allem durch skandinavische Anbieter dominiert. Hier werden auch verstärkt Lösungen gesucht, um dem Preisanstieg zu begegnen. Dort arbeiten verstärkt deutsche Firmen, die gegenüber den skandinavischen Generalunternehmern immer noch deutlich preisgünstiger anbieten.
Auch die Banken verzichten heute häufiger auf die Forderung nach einem Generalunternehmer – zu zahlreich sind die bekannten Negativbeispiele. Budgetüberschreitungen von über 90% haben in Deutschland bei öffentlichen Ausschreibungen schon zur Aufhebung von europaweiten Ausschreibungen mit Investitionsvolumina in dreistelliger Millionenhöhe geführt. Am Beispiel eines großen Geschäftshauses in Österreich konnte jedoch unlängst bei Feststellung der negativen Budgetentwicklung durch optimierte Ausschreibung und Streuung der Vergabe das Budget eingehalten werden und somit eine abzusehende Überschreitung des Budgets von 20 % vermieden werden. Um zukunftsfähig zu werden, versucht die Generalunternehmerseite aktuell über diverse Partnermodelle bzw. Open-Book-Verfahren anzubieten und damit budgetgerechte Preise wieder herzustellen.
Einer der Spezialisten auf diesem Gebiet ist Andreas Blaschkowski, Vorstand von Drees & Sommer. Er hält es für essentiell, dass die Auftraggeberseite im Vorfeld prüft, ob die Chancen auf erreichbare Budgetziele steigen, wenn das Bauvorhaben von einem bauerfahrenen Projektmanager gesteuert wird, der klar die Prozesse beim Bauen beherrscht und zielorientiert die „Sieben Schritte zur Baukostenbegrenzung“ vor Augen hat.
Das Immobilienmagazin fragte Andreas Blaschkowski:
IM: Was ist zu tun, um Budgets einhalten zu können:
Blaschkowski: „Die veränderte Marktsituation führt nach unseren Erfahrungen unweigerlich zur klassischen Abwicklungsstrategie der Einzelvergaben, die im Regelfall zu kostengünstigeren Vergaben von 5 % bis 10 % führen wird. Es ist im Rahmen des Vergabeverfahrens darüber hinaus möglich, das Firmen-Know-how der Einzelgewerke direkt zu integrieren und damit eine höhere Flexibilität bei Änderungen für die einzelnen Gewerke zu erreichen. Die Bereitschaft Angebote abzugeben, wird bei Mittelständlern mit der Aussicht direkt vom Auftraggeber beauftragt zu werden, zu einer erhöhten Teilnahme am Marktwettbewerb führen.
IM: Mit welchen Strategien arbeitet Drees & Sommer hier:
Blaschkowski: Durch ein dezidiertes Planliefermanagement stellen wir sicher, dass die Auftraggeberseite nicht in Planlieferverzug gerät bzw. ein sehr straffer Terminplan für die Biet- und Angebotsbearbeitungsphase durchzusetzen ist. Es ist unabdingbar, genügend Vorlaufzeiten für die Integration von Firmen-Know-how, für Bemusterungen bzw. erforderliche Lieferzeiten zu kalkulieren. Damit erhält der Unternehmer kalkulierbare Unterlagen und kann sein Know-how in der direkten Kommunikation mit den Fachleuten integrieren. Die Folge sind deutlich reduzierte Risikoansätze die letztendlich wieder zur Budgetdeckung für den Bauherrn führen.
IM: Wie konnten Sie Ihre Strategie im Markt bisher umsetzen, welche Erfahrungen hat Ihr Haus gemacht?
Blaschkowski: „Eine Baupreissteigerung hat sich am Markt definitiv eingestellt. Nach unserer Erfahrung ist die wirkungsvollste Maßnahme, dieser Tendenz entgegenzuwirken, eine exakte Risikoanalyse des Prozesses, vor allem in der Planungsphase, eine vom Projektmanagement exakt koordinierte Arbeitsvorbereitung der Planungsleistungen und damit die Möglichkeit, auf Basis guter Ausführungsplanungen wieder kalkulierbare Angebote für den Mittelstand zu erreichen.“
Andreas Blaschkowskis Rezept zur Budgeteinhaltung in sieben Schritten:
1. Vorbehaltlose Kosten- und Risikoanalyse vor der Planungsphase, sowie Prognosen von Marktentwicklungen um projektbezogen zu agieren.
2. Exakte Kostenchecks bzw. Wirtschaftlichkeitsberechnungen vor allem in der Planungsphase, um immer zeitnah auf geänderte Rahmenbedingungen zu reagieren.
3. Klare Budgetvorgaben an alle Beteiligten als Zielvorgabe.
4. Definition der baulichen Standards um den Interpretationsspielraum bei der Angebotskalkulation und eine evtl. Reduktion der Qualitäten bei der Ausführung zu vermeiden.
5. Detailliertes Planliefermanagement zur Effizienz und als Arbeitsvorbereitung für den Ausschreibungs- und Vergabeprozess
6. Saubere Aufteilung der Gewerke und Definition der Schnittstellen für eine optimierte Paket- bzw. Einzelvergabe und einen effizienten Bauablauf
7. Durchführung von Markterkundungen durch Bieterintegration während der Planungsphase für die Leitgewerke
Julien Reitzenstein
veröffentlicht im Immobilienmagazin, Wien: www.text-kontor.de
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