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- 9.1.2011: Wissen ohne Wissenschaft?
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- 4.2.2010: Quo Vadis Germania?
- 5.1.2010: Mr. Bean EU-Präsident?
- 3.1.2010: LVZ: Alte Strickwarenfabrik zieht Kreative an
- 2.1.2010: Spiegel Online: Im Mauseloch der Angst
- 31.12.2009: Recht haben und Recht bekommen - Teil II
- 31.12.2009: Recht haben und Recht bekommen - Teil I
- 29.12.2009: Neues Leben in der Alten Strickfabrik in Leipzig
- 23.12.2009: Die Jagd nach Eleganz
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Wissen ohne Wissenschaft?
9.1.2011 von Reitzenstein.
Einer der Grundsätze der Chipindustrie ist Moore’s law. In diesem Zusammenhang bemerkte Gordon Moore: „Wäre die Entwicklung in der Automobilindustrie so schnell wie in der Halbleiterindustrie vorangeschritten, würde ein Rolls Royce mit fünf Litern Benzin eine Million Kilometer weit fahren. Und es wäre billiger, ihn wegzuwerfen, als ihn zu parken.”
Dies war zunächst auf die technischen Entwicklungsmöglichkeiten gemünzt. Schaut man sich jedoch an, welche Innovationserfordernisse verschiedenste Branchen in letzten Jahren bewegen – und bewegen müssen – zeigt sich, dass sehr genau geschaut wird, was der Kunde und Nutzer erwartet und wie dieser Erwartung möglichst effizient entsprochen werden kann.
Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, welche Innovationen die Immobilienindustrie in den letzten Jahren hervorgebracht hat, um ihre Zukunftsfähigkeit zu optimieren – und welcher Zweig der Branche hier wie reüssierte.
Zur Erinnerung: Es war ein Blindflug im Umgang mit den ökonomischen Gesetzmäßigkeiten von Immobilien, die die westliche Welt in die verheerendste Krise seit dem II. Weltkrieg rutschen ließ. Und gleiches geschieht dieser Tage asiatischen Raum erneut.
Daraus ergibt sich, dass es derzeit fünf Gruppen am Immobilienmarkt gibt: Nutzer, Eigentümer, Hersteller, Berater – und den haftenden Steuerzahler, vertreten durch seine parlamentarischen Vertreter oder den neuen Typus des Wutbürger-Mobs. Sie alle haben entweder Interesse oder sogar die Notwendigkeit, auf evidenzbasierter Grundlage sichere Prognosen als Voraussetzung für Entscheidungen zu haben. Wenngleich das Interesse an Transparenz für jede Gruppe anders ist, bestehen die Entscheidungsgrundlagen oft noch aus Bauchgefühl und Erinnerungsabgleichungen mit Erfahrungen. Zudem gibt es die aus laufenden Geschäftszahlen und Marktbeobachtungen einzelner Unternehmen entstehende Marktreports ohne wissenschaftlichen Versuchsaufbau.
Es zeigt sich bei genauer Betrachtung, dass die wissenschaftsbasierte Grundlagenforschung nur sehr partiell existiert. Daraus folgt, dass es einer business-neutralen, allgemein anerkannten Ausgangsbasis für die gesamte Breite der Immobilienindustrie fehlt. Wer jedoch soll die Kosten für Erkenntnisschaffung tragen, von der der gesamte Markt profitiert und letztlich auch die Volkswirtschaft. Einerseits ist dies gewiss Aufgabe von Bildungspolitik. Allerdings ist hier eine Lobby der Immobilienindustrie auf Landesebene allenfalls in homöopathischen Dosen bemerkbar. Folglich bleibt nur der Weg, dass die Mitglieder ihre Interessenvertretungen in dieser Richtung motivieren und zudem eigene Wissenschaftsförderung gestalten, die so attraktiv ist, dass die Studenten dort hohen Zulauf verursachen und am Ende der Markt den Wissensmarkt regelt.
Da es erfreulicherweise immer mehr Immobilienunternehmen gibt, die ihrer sozialen Verantwortung gerecht werden, sei gewünscht, dass auch Wissenschaftsförderung zum Nutzen der Branche und zur Ausbildung kommender Generationen in diesem Zusammenhang als lohnendes Engagement identifiziert wird.
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Mehrwertsteuer: Präzision versus Populismus
25.5.2010 von Reitzenstein.
Kann Presse populistisch im Wortsinne oder auch im Sprachsinne sein? Kann sie. Beides.
Ein gängiges bon mot behauptet, dass, wer Kompliziertes einfach darstellen könne, Faschist sei. Da Faschistenn in Mitteleurope glücklicherweise beinahe ausgestorben sind, haben diese Rolle nun die Populisten übernommen. Hier ist jedoch zwischen echten Populisten zu unterscheiden und jene, die Gutmenschen und Medien mit dieser Begrifflichkeit zu diskreditieren versuchen. Denn selbst mancher von diesen “Rechtspopulist” genannte, ist weder rechts, noch populär - aber reißerische Vereinfachungen heben die Auflagen der Medien und stärken die Selbstgerechtheit jener, die vergessen haben, dass die political correktness einst zum Schutz jener erfunden wurde, die keine Stimme hatten, um für sich selbst einzutreten. (Zur Information für die jüngeren Leser: Das war, bevor political correctness Selbstzweck all jener wurde, die durch “verletzt fühlen” einen Blankoscheck für alles im Abo bekamen.)
Ad rem: Der Gesetzgeber in Deutschland wollte - wie in vielen anderen Ländern auch - dass jedermann die Dinge des täglichen Bedarfs möglichst günstig erhält. Und da der Mensch nur ein gewisses Quantum an Grundnahrungsmitteln, Zeitungen und Straßenbahnfahrkarten konsumieren kann, ergibt sich, dass ein Einkommensschwacher einen erheblich höheren Anteil seines Einkommens für Mehrwertsteuer auf diese DInge ausgibt, als ein Einkommensstarker. Daher werden seit jeher diese Dinge des täglichen Bedarfs mit einem ermäßigten Mehrwertsteuersatz belegt. Mietwohnugnen wurden sogar ganz ohne Mehrwertsteuer zur Vermeitung frei gegeben. Zudem wurde unterstellt, dass Wohlhabende öfters in Restaurants gehen und noch weniger in Supermärkten kaufen. Folglich belasten Mehrwertsteuererhöhungen - wie unlängst von CDU und SPD beschlossen, die Armen sehr viel mehr als die Reichen.
Es ist allgemein bekannt, dass Unternehmen und Bürger einen Teil ihrer Gewinne - also ihres erarbeiteten Geldes - als Steuern für die Belange der Allgemeinheit abführen müssen.
Die Mehrwertsteuer hingegen wird jedoch nicht vom Geld des Bürgers oder Unternehmens bezahlt. Der Konsument zahlt diese Steuer faktisch direkt an den Staat. Da der Aufwand, neben jede Kasse im Land einen Finanzbeamten zu stellen, zu groß wäre, nimmt der Unternehmer die Umsatzsteuer treuhänderisch für den Staat an sich und reicht sie unmittelbar weiter. Somit ist klar, dass dieses Geld zu keinem Zeitpunkt dem Unternehmer gehört. Daher urteilen die Gerichte erheblich strenger bei Umsatzsteuerhinterziehung, als bei “normaler” Steuerhinterziehung.
Draus folgt, dass eine Senkung des Steuersatzes auf Körperschaftsteuer, Einkommenssteuer, Gewerbesteuer, etc. ein Steuergeschenk an den Steuerpflichtigen darstellt, da der Besteuerte ja mehr von seinem Geld behalten kann.
Wenn jedoch der Umsatsteuersatz gesenkt wird, kann kaum von einem Geschenk an den Steuerpflichtigen gesprochen werden, denn die Umsatzsteuer hat ja vorher wie nachher dem Staat gehört.
Nun mag man diskutieren, ob die Übernachtung in einem Hotel zu den menschlichen Grundbedürfnissen gehört. Ebenso mag man diskutieren, ob es gut für Deutschland ist, wenn mehr Menschen sich einen Urlaub im Lande leisten können und nicht in anderen europäischen Ländern Urlaub machen - wo zumeist ein ermäßigter Mehrwertsteuersatz gilt. Mehr ausländische Feriengäste schaffen Arbeitsplätze und lassen viel Geld im Land, sagen viele. So wäre die Mehrwertsteuersenkung auf Hotelübernachtungen als Anpassung an den europäischen Markt zumindest nachvollziehbar.
Ebenso mag man über die Sinnhaftigkeit der Tatsache streiten, dass Essen im Restaurant bei McDonald’s mit voller Mehrwertsteuer belegt ist (Restaurants sind kein Grundbedürfnis), der gleiche Burger mitgenommen oder am Mc Drive verkauft nur mit einem ermäßigten Mehrwertsteuersatz belegt ist (Lebensmittelverkauf).
Nicht nachvollziehbar sind jedoch zwei Dinge:
1. Wie kann ein Hotelier ein Geschenk bekommen, wenn das, was er für einen anderen vorübergehend verwahrt (Mehrwertsteuer für den Staat), weniger wird?
2. Warum stürzen sich die Medien auf das Thema “Steuergeschenke für Hoteliers” - lassen jedoch außen vor, dass - wenn es sich wirklich um Steuergeschenke handelte - es die gleichen “Steuergeschenke” für Zeitungsverleger, Nahverkehrsunternehmer und Supermarktbetreiber gäbe. Man stelle sich das einmal vor: Die beiden reichsten Deutschen, die Aldi-Eigner Gebrüder Albrecht sind Milliardäre und erhalten immer noch “Steuergeschenke”, während viele Hartz IV-Empfänger auf seine Playstaion auch noch den vollen Mehrwertsteuersatz zahlen müssen! Wenn also Milliardenkonzerne, wie Aldi, McDonald’s, Lidl & Co. “Steuergeschenke” von den Medien und den Gutmenschen offenbar kommentarlos gegönnt werden, während gleichzeitig eine Hoteliersschelte auf unterstem Niveau stattfindet, wird deutlich, worum es bei dieser gespielten Empörung wirklich geht.
Vieleicht sollten jene, die diese neue Regelung mit dem wohlfeilen Begriff “Steuergeschenke an Hoteliers” als politische Waffe gegen Liberale verwenden, zunächst beachten, dass
a) die Presse überparteilich sein sollte
b) es sich bei einer Mehrwertsteuersenkung qua definitionem nicht um ein Steuergeschenk handeln kann
c) fairerweise in gleicher Weise über Lebensmittelhändler und Verleger berichtet werden müsste
d) viele Zeitungen an Umsatz - und Redakteuren - verlören, wenn der volle Mehrwertsteuersatz, als12% mehr, die Zeitungen so verteuerten, dass viele Leser aus Sparsamkeitsgründen lieber ihr Abo kündigten und stattdessen lieber Urlaub machten - in Hotels mit ermäßigtem Umsatzsteuersatz. Dort gibt es dann zwar auch Zeitungen, in denen ähnlich populistisdhe Thesen verbreitet werden. Aber dafür gibt es diese in Hotels gratis und Urlaube sind tatsächlich populär…
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Quo Vadis Germania?
4.2.2010 von Reitzenstein.
Reitzenstein: Herr Professor Wiegard, wie beurteilen Sie die derzeitige gesamtwirtschaftliche Situation, insbesondere in Hinblick auf die Kreditklemme, die der Wirtschaft nach Meinung vieler droht?
Prof. Dr. Wiegard: Die Kreditklemme wird kontrovers diskutiert. Ein Blick in die Kreditvergabestatistik zeigt, dass das Kreditvolumen in Deutschland sich nicht wesentlich verändert hat. Die jüngst veröffentlichte Kredithürdenumfrage des Ifo-Instituts unter 4.000 deutschen Unternehmen zeigt zwar für den Januar 2010 einen leichten Rückgang bei der Beurteilung der Kreditrestriktionen an, befindet sich aber nach wie vor auf hohem Niveau. Letztlich ist das aber auch ein normaler Vorgang. In einer Wirtschaftskrise steigt die Insolvenzgefahr und die Banken müssen sich absichern und lassen angemessene Vorsicht walten. Ich möchte nicht ausschließen, dass die Kreditsituation sich im Verlaufe des Jahres 2010 noch anspannt, aber im Bereich normaler Parameter.
Reitzenstein: Was raten Sie dann Unternehmen, die dennoch krisenbedingt erhöhten Kreditbedarf haben?
Prof. Dr. Wiegard: Für diese Unternehmen hat die Bundesregierung den Deutschlandfond aufgelegt. Hier stehen den Unternehmen 40 Milliarden Euro eben für diesen Zweck zur Verfügung.
Reitzenstein: Diese Mittel werden jedoch von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) nicht unmittelbar vergeben. Viele Unternehmen klagen, dass die Hausbanken den Weg zu den KfW-Mitteln nicht freigeben, weil sie lieber eigen Darlehen ausreichen möchten und somit ihren Kunden für sich behalten möchten. Doch an Unternehmen, die krisenbedingt Geld brauchen, reichen die Hausbanken auch nur zögerlich Kredite aus. War das im Sinne des Erfinders?
Prof. Dr. Wiegard: Gewiss nicht. Es ist problematisch, dass die KfW ihre Mittel nicht unmittelbar ausreichen kann. Da die Großbanken und Landesbanken ihr Kreditgeschäft massiv heruntergefahren haben, sind die Sparkassen und Volksbanken oft eine sinnvolle Alternative.
Reitzenstein: Welchen Rat geben Sie österreichischem Geld, das sich einen sichereren Anlageort sucht?
Prof. Dr. Wiegard: Der deutsche Markt ist stabil. Zwar haben deutsche Banken auch große Summen in CEE verloren, aber im Verhältnis zum Geschäftsvolumen und zur Größe der Volkswirtschaft nicht soviel wie beispielsweise Österreich. Die Renditen sind zwar nicht am oberen Ende, aber dafür stabil und berechenbar. Zudem hat die Bundesregierung mit der Anfang 2008 in Kraft getretenen Unternehmensteuerreform einen attraktiven Investitionsstandort auch für ausländische Unternehmen geschaffen. Anfang 2009 wurde die Abgeltungssteuer eingeführt – so gibt es auch keine Diskriminierung von Kapitalerträgen zwischen Österreich und Deutschland mehr. Kurzum: Deutschland bietet eine stabile wirtschaftliche und gesetzliche Infrastruktur für Investitionen aus dem Ausland.
Reitzenstein: Was wird die Zukunft für die Staatsfinanzen bringen?
Prof. Dr. Wiegard: Im Jahre 2010 kann noch keine Konsolidierung stattfinden. Jetzt muss zunächst noch der beginnende Aufschwung stabilisiert werden. Hierzu wurde das Wachstumsbeschleunigungsgesetz verabschiedet. Steuerabsenkungen führen zu höherer Staatsverschuldung; diese muss jedoch genau kalkuliert werden und auf ihre Effekte überprüft.
Reitzenstein: Wann beginnt der Staat zu sparen?
Prof. Dr. Wiegard: Im Jahre 2011 muss eine starke Konsolidierungsphase beginnen. Jedoch muss sich die Bundesregierung den Vorwurf gefallen lassen, dass sie hier bislang weder ein Konzept vorgelegt hat, noch irgendwie definiert hat, an welchen wirtschaftlichen Stellschrauben sie den Bundeshaushalt konsolidieren will.
Reitzenstein: Was bedeutet das für die Zinssituation in der Eurozone, insbesondere für die Zinslast der öffentlichen Haushalte?
Prof. Dr. Wiegard: Die EZB ist unabhängig. Es besteht nicht der geringste Zweifel, dass sie ihrem vornehmlichsten Auftrag nachkommt, das Preisniveau stabil zu halten. Allerdings kann ich mir vorstellen, dass sie über diesen Punkt hinaus auch mittelfristig die Zinsen anhebt, um Druck auf die Mitgliedsstaaten auszuüben, ihre Haushalte rasch zu konsolidieren.
Reitzenstein: Herr Professor Wiegard, wir bedanken uns für das Gespräch.
Das Gespräch führte Julien Reitzenstein, erschienen in Österreich im Immobilienmagazin
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Mr. Bean EU-Präsident?
5.1.2010 von Reitzenstein.
http://totallylookslike.com/2008/09/28/jose-luis-rodriguez-zapatero-totally-looks-like-mr-bean/
Die Ähnlichkeit zwischen dem spanischen Ministerpräsidenten José Luis Rodríguez Zapatero und dem Komiker Rowan Atkinson (Mr. Bean) ist verblüffend - besonders, wenn beide grienen.
Gestern hat jemand die Website der spanischen EU-Ratspräsidentschaft geknackt - und das Foto Zapateros gegen das von Atkinson getauscht.
Der Urheber der Aktion ist bis heute unbekannt. Aber der Ansturm des Publikums ließ die Site gestern zusammenbrechen. Heute ging sie wieder online - ohne Mr. Bean.
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LVZ: Alte Strickwarenfabrik zieht Kreative an
3.1.2010 von Reitzenstein.
Am 29.12.2009 veröffentlichten wir einen Beitrag über die Alte Strickfabrik in Leipzig
Drei Tage später veröffentlichte die Leipziger Volkszeitung hierzu auch einen Artikel:
Alte Strickwarenfabrik zieht Kreative an
Jens Rometsch
Foto: Wolfgang Zeyen Die Hofansicht der ehemaligen Strickwarenfabrik in der Berliner Straße Leipzig. (Rechts im Bild die Ruine auf dem Nachbargrundstück, die nach Auskunft von deren Eigentümer in Bälde an einem langen Wochenende entfernt wird. d.R.)
Als im April 2009 ein Leipziger Familienunternehmen die alte Strickwarenfabrik in der Berliner Straße 65 erwarb, standen die fünf Geschosse weitgehend leer. “Bekannt war dieses Objekt eigentlich nur noch bei Bahnreisenden”, sagt Anett Micklich von der Pragmatic Equity AG, die die traditionsreiche Immobilie nun entwickelt. “Wer aus Richtung Norden zum Hauptbahnhof hereinfährt, sieht kurz vor der Wittenberger Straße immer diese riesige, traurige Ruine neben unserem Gebäude, die seit dem Einschlag einer Luftmine im Jahr 1944 unverändert so dasteht.”
In der Gründerzeit gehörte das Areal zu einem blühenden Industriegebiet. Als Strickwarenfabrik der Gebrüder Frank wurde zunächst in einer einstöckigen Halle mit Pappdach und Außenabort gearbeitet. Für Letzteres - fünf Toiletten mit Wasserspülung im Hof - mussten die Unternehmer seinerzeit noch ein königlich-sächsisches Privileg beantragen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts folgte ein dreistöckiges Fabrikgebäude: inklusive eines 2000 Quadratmeter großen Kellerlagers unter dem Hof, von dem noch einige Bereiche erhalten sind. Die Straßenbahngesellschaft baute damals nebenan das Depot an der Wittenberger Straße.
In den 1920er-Jahren kam der bis heute stehende Teil mit fünf Vollgeschossen sowie Dachaufbauten hinzu. Mit Aufkommen der Nazi-Herrschaft wurden die jüdischen Eigentümer jedoch gezwungen, ihr florierendes Unternehmen zu verkaufen.
Etliche Bombentreffer 1943 und 1944 ließen von der Strickwarenfabrik nur noch das heutige Gebäude übrig. Zu DDR-Zeiten zog dort unter anderem der VEB Herrenmoden “Korrekt” ein. Schon 1953 gab es Pläne, die benachbarten Ruinen abzureißen. Doch mal war kein Bagger verfügbar, mal kein Kran. Schließlich gab es nach 36 Jahren Planwirtschaft einen neuen Abrisstermin: für Dezember 1989. Aber nach dem Fall der Mauer hatten die Leute wichtigeres zu tun. Ein Bauträger mit Plänen für eine Einkaufspassage ließ später alle Ruinen - außer dem Flügel an der Berliner Straße - entfernen. 1999 ging ihm die Puste aus, das Gebäude geriet in Zwangsverwaltung. Danach blieben nur wenige gute Mieter, die Immobilie verfiel immer mehr.
Die Pragmatic Equity AG hat nun erst mal aufgeräumt und den intakten Teil der Fabrik komplett renoviert, auch die helle Klinkerfassade herausgeputzt. “Wir errichten hier ein Zentrum für die Kreativwirtschaft, Start-up-Firmen, junge Autoren, Werber, Trainer, Verlage”, erläutert Micklich. So soll noch diesen Monat eine Schlagzeug-Fabrikation einziehen: der junge Instrumentenbauer wurde durch eine Kooperation mit dem Start-up-Programm Sept der Universität Leipzig vermittelt. Im ehemaligen Privatkontor der Gebrüder Frank zog gerade ein Pressebüro ein. “Im Sommer reißen wir den ruinierten Flügel nebenan weg und gestalten den Hof zur Grünanlage um”, so Micklich. “Dann finden die Kreativen bei uns nicht nur einen schönen Ausblick vom Schönefelder Schloss bis zum Völkerschlachtdenkmal, sondern auch eine grüne Oase unweit vom Hauptbahnhof.”
© LVZ-Online, 01.01.2010, 23:35 Uhr
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Spiegel Online: Im Mauseloch der Angst
2.1.2010 von Spectator Mundi.
Im Mauseloch der Angst
Von Henryk M. Broder
6 Bilder
Terror: Angriff auf dänischen Karikaturisten
Im Jahre 1988 erschien Salman Rushdies Roman “Die Satanischen Verse” in der amerikanischen Originalausgabe. Worauf der iranische Staats- und Revolutionsführer, Ajatollah Chomeini, eine “Fatwa” gegen Rushdie erklärte und ein hohes Kopfgeld für dessen Ermordung auslobte. Es kam zu mehreren Anschlägen auf die Übersetzer und Verleger des Romans, wobei der japanische Übersetzer Hitoshi Igarashi ums Leben kam. Millionen von Muslimen in aller Welt, die keine Zeile des Buches gelesen und den Namen Salman Rushdie noch nie gehört hatten, wollten das Todesurteil gegen den Autor vollstreckt sehen, je schneller, desto besser, um mit seinem Blut die beschmutzte Ehre des Propheten wieder reinzuwaschen.
In dieser Atmosphäre traute sich kein deutscher Verlag, Rushdies Buch zu publizieren. Worauf einige Schriftsteller, unter ihnen Günter Grass, die Initiative ergriffen, damit Rushdies Roman in Deutschland erscheinen konnte - in einem Verlag, der ausschließlich zu diesem Zweck gegründet wurde. Er hieß ARTIKEL 19 - wie der Paragraf der Europäischen Menschenrechtskonvention, der das Recht auf Meinungsfreiheit garantiert - und war ein Gemeinschaftsunternehmen, an dem Dutzende von Verlagen, Organisationen und Einzelpersonen beteiligt waren, darunter Bertelsmann, Fischer, Hoffmann & Campe, Suhrkamp und Wagenbach, der Verband deutscher Schriftsteller und das PEN-Zentrum der Bundesrepublik, Norbert Blüm und Oskar Lafontaine, Hans Magnus Enzensberger und Klaus Staeck, Frank Schirrmacher und Roger Willemsen. Es war die breiteste Koalition, die je in der Bundesrepublik zustande gekommen war. Verständnis für die verletzten Gefühle der Muslime
17 Jahre später, nachdem die dänische Tageszeitung “Jyllands-Posten” auf einer Seite ein Dutzend Mohammed-Karikaturen veröffentlicht hatte, kam es in der islamischen Welt zu ähnlichen Reaktionen: Millionen Muslime zwischen London und Jakarta, die keine der Karikaturen gesehen oder auch nur den Namen der Zeitung je gehört hatten, demonstrierten gegen die Beleidigung des Propheten und verlangten die angemessene Bestrafung der Übeltäter: mit dem Tode. Osama bin Laden ging so weit, die Auslieferung der Zeichner zu verlangen, um sie von einem islamischen Gericht aburteilen zu lassen.
Doch anders als im Falle von Rushdie solidarisierte sich diesmal kaum jemand mit den bedrohten dänischen Karikaturisten. Im Gegenteil. Günter Grass, der die ARTIKEL-19-Aktion angestoßen hatte, äußerte sein Verständnis für die verletzten Gefühle der Muslime und die daraus resultierenden gewalttätigen Reaktionen; diese seien, so Grass, eine “fundamentalistische Antwort auf eine fundamentalistische Tat”, womit er eine Äquidistanz zwischen den zwölf Karikaturen und den Mordaufrufen auf die Karikaturisten herstellte. Bei der Gelegenheit wurde Grass auch grundsätzlich: “Wir haben das Recht verloren, unter dem Dach auf freie Meinungsäußerung Schutz zu suchen.”
Der damalige britische Innenminister Jack Straw nannte die Veröffentlichung der Karikaturen “unnötig, unsensibel, respektlos und falsch”. Der “Vorwärts”, das Organ der SPD, verteidigte die Meinungsfreiheit im Allgemeinen, meinte aber, in diesem speziellen Fall würden die Dänen die Freiheit “missbrauchen, nicht im rechtlichen, aber im politischen-moralischen Sinne”. Fritz Kuhn, 1955 geboren, hatte ein Déjà-vu: “Mich haben sie (die Karikaturen) an die antijüdischen Zeichnungen in der Hitler-Zeit vor 1939 erinnert.” Womit der damalige Fraktionschef der Grünen bewies, dass er entweder ein sensationelles pränatales Gedächtnis oder noch keine einzige antisemitische Karikatur aus dem “Stürmer” gesehen hat.
Als würden Eunuchen über Sex reden
Es war, als würden Blinde über Kunst, Taube über Musik und Eunuchen über Sex diskutieren - vom Hörensagen, denn abgesehen von “taz”, “Welt” und “Zeit” waren alle deutschen Zeitungen und Magazine der Empfehlung von Claudia Roth gefolgt - “Deeskalation beginnt zu Hause” - und hatten auf einen Abdruck der Karikaturen vorsorglich verzichtet. So wie es auch der Psychoanalytiker Horst-Eberhard Richter geraten hatte: “Der Westen sollte alle Provokationen unterlassen, die Gefühle von Erniedrigung und Demütigung hervorrufen…” Wobei Richter offen ließ, ob “der Westen” auch das Tragen von Miniröcken, den Genuss von Schweinefleisch und die Legalisierung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften unterlassen sollte, um keine Gefühle von Erniedrigung und Demütigung in der islamischen Welt hervorzurufen.
Wären die Mohammed-Karikaturen flächendeckend in der deutschen Presse nachgedruckt worden, hätten die Zeitungsleser sich selbst ein Bild machen können, wie exzessiv harmlos die zwölf Zeichnungen waren und wie bizarr und gegenstandslos die ganze Debatte, statt die Beurteilung “Experten” zu überlassen, die jede Kritik am Papst und der Kirche, jede blasphemische Kunstaktion im Namen der Meinungsfreiheit verteidigen, im Falle der Mohammed-Karikaturen allerdings plötzlich der Ansicht waren, man müsse auf religiöse Gefühle anderer Menschen Rücksicht nehmen.
Das freilich war nur eine Ausrede, eine Art Mauseloch der Angst. Denn zwischen der Rushdie-Affäre und dem Karikaturen-Debakel war einiges passiert: 9/11, die Anschläge von London, Madrid, Bali, Jakarta, Djerba, die von manchen Kommentatoren ebenfalls als Ausdruck der Erniedrigung und Demütigung der islamischen Welt durch den Westen interpretiert wurden. Vor dieser Drohkulisse schien es vernünftiger und vor allem sicherer, “Respekt” vor religiösen Gefühlen zu bekunden als auf dem Recht auf freie Meinungsäußerung zu bestehen.
Das Recht zu beleidigen ist wichtiger als der Schutz vor Beleidigung
Und es waren nur wenige, die aus der Reihe tanzten, der britische Komiker Rowan Atkinson (”Mr. Bean”) erklärte, “das Recht zu beleidigen” sei “sehr viel wichtiger, als das Recht, nicht beleidigt zu werden”, die aus Somalia stammende und damals in Holland lebende säkulare Muslimin Ayaan Hirsi Ali schrieb ein Manifest, das mit den Worten begann: “I am here to defend the right to offend.”
Aber das waren Ausnahmen. Sogar der damalige französische Präsident, Jacques Chirac, vergaß vorübergehend, dass er die “Grande Nation” vertritt, zu der auch Sartre, Voltaire und Victor Hugo gehören, und dekretierte, dass “alles, was den Glauben anderer, zumal den religiösen Glauben, beleidigen könnte, vermieden werden muss”.
So begann die geforderte “Deeskalation” nicht nur “zu Hause”, sie endete auch vor der eigenen Haustür. Denn die andere Seite denkt nicht daran zu deeskalieren. Die Fatwa gegen Salman Rushdie ist immer noch in Kraft, der Mordanschlag gegen Kurt Westergaard war nicht der erste Versuch, ein Todesurteil zu vollstrecken, dem keine Straftat zugrunde liegt. Der Islam mag in der Theorie eine “Religion des Friedens” sein, die Praxis sieht anders aus.
Mitten in Berlin lebt eine deutsch-türkische Rechtsanwältin, die vor kurzem abtauchen musste, weil sie mit Morddrohungen überzogen wurde, nachdem sie ein Buch veröffentlicht hatte. Es enthält keine einzige Mohammed-Karikatur, allein der Titel ist eine Provokation, die ans Eingemachte geht: “Der Islam braucht eine sexuelle Revolution”.
http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,669793,00.html
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Recht haben und Recht bekommen - Teil II
31.12.2009 von Spectator Mundi.
Kurioser Fall vor Gericht in Berlin
Wer heute der Gerichtsshows des Privatfernsehens überdrüssig ist, geht trendbewusst zu den zahlreichen Gerichtsverhandlungen, zu denen die Öffentlichkeit zugelassen ist. Während erfahrene Gerichtszuschauer Bau- und Verwaltungsrecht eher zum Langweilen finden, Sozialrecht manches Mal zum Entsetzen, so liegen Strafrecht und Arbeitsrecht vorn auf der Beliebtheitsskala.
Wenn die „Kommentarwichsmaschinen“ (Max Goldt) der Medienbranche immer neues Entsetzen über die Rechtsauffassung von Ingrid Schmidt, Präsidentin des Bundesarbeitsgerichtes, herauspolemisieren, sollte man einen Augenblick inne halten und nachdenken. Vielleicht lohnt es sich, sich zuerst vorzustellen, man habe im Schweiße seines Angesichts ein kleines Unternehmen aufgebaut und dann kommt jemand her, dem man vertraut, ihm sogar die Schlüssel zu seinem Eigentum überlässt – und der dann stiehlt. Viel Geld oder nur einen Kugelschreiber. Und dann stelle man sich vor, wie es sein muss, folgende Passage im Hamburger Abendblatt zu lesen:
Die Präsidentin des Bundesarbeitsgerichts (BAG), Ingrid Schmidt, hält Kündigungen wegen kleiner Diebstähle für gerechtfertigt. “Es gibt keine Bagatellen”, sagte Schmidt der “Süddeutschen Zeitung”. Arbeitnehmer, die ihrem Arbeitgeber etwas entwenden, zeigten ein Verhalten, das “mit fehlendem Anstand” zu tun habe. Der stellvertretende Vorsitzende der Linken, Klaus Ernst, forderte dagegen, Kündigungen bei Bagatellen per Gesetz auszuschließen.
Diese Forderung Ernsts heißt im Umkehrschluss, dass der Staat, der alle Menschen in Deutschland repräsentiert, per Gesetz bestimmt, dass es zwar verboten ist und bestraft wird, wenn man an einer Tankstelle einen Schokoriegel oder im Supermarkt eine Flasche Prosecco stiehlt – aber jemanden, mit dem man täglich arbeitet, um die gleichen Dinge bestehlen darf, ohne dass dieser sich wehren darf.
Die amerikanische Professorin und Feministin Camille Paglia provoziert in ihren Büchern damit, dass es Opfern oft auch deshalb schlecht geht, weil ihnen die Gesellschaft einredet, dass sich Opfer traumatisiert fühlen müssen; auch dann, wenn sie selbst provoziert haben sollten, zum Opfer zu werden.
Es ist gewiss sinnvoll, sich von jeglicher Radikalität zu distanzieren, so auch von dieser, aber Radikalität darf Denkanstöße geben: Wenn also jemand im Supermarkt Kaugummi stiehlt, die Polizei ihn abführt, die Staatsanwaltschaft ein Verfahren eröffnet und wohlmöglich ein Gericht eine Strafe ausspricht, so wird niemand „Mitleid!!“ in die ihm ins Gesicht ragenden Mikrophone krähen. Wenn der Dieb jedoch ein Mitarbeiter des Supermarktes ist und keine Polizei kommt, kein Staatsanwalt und kein Gericht, sondern eine Abmahnung – dann reden viele Gutmenschen dem Dieb ein, dass er ein Opfer ist, sich traumatisiert fühlen muss, erklären ihm, dass er sich wehren muss – und mit ein wenig Glück bezahlt ihm die Gewerkschaft auch noch die Anwälte. Da macht das Klagen Spaß.
Ironie? Mitnichten! Hier wird der erfahrene Besucher von Arbeitsgerichtsprozessen die Schätzung vieler Juristen teilen: In der ersten Instanz bekommen zu etwa 90% die Arbeitnehmer recht. Der Umkehrschluss gibt den Gutmenschen Recht – Arbeitnehmer wären dann offenbar zumeist Opfer von Willkür.
Noch absurder wird es, wenn der kriminelle Mitarbeiter den Arbeitgeber anzeigt, beispielsweise wegen Drogenhandel, Steuerhinterziehung oder Plutoniumschmuggel. Deutschland ist ein freies Land, in dem jeder jeden anzeigen darf und jede Anzeige zieht ein Ermittlungsverfahren mit Aktenzeichen nach sich. Wenn der Mitarbeiter nun noch im Internet veröffentlicht, dass die Staatsanwaltschaft gegen Arbeitgeber XY wegen Drogenhandel und Steuerhinterziehung ermittelt, ein paar Kumpane das kommentieren und verbreiten, stoßen wir auf folgendes Phänomen: Jene Richter und Staatsanwälte, die mit Internet arbeiten, googeln immer häufiger die Namen der Angeklagten und Zeugen.
Und wenn dann im Internet eine ganze Gruppen von Leuten (echt und gefakt), die nicht als Kumpan des kriminellen Mitarbeiters erkennbar sind, sich über die „Machenschaften“ des Arbeitgebers auslassen und jeder fleißig eine „Vermutung“ dazudichtet, so gibt das der Justiz ein recht verzerrtes Bild.
Szenenwechsel ins Arbeitsgericht: „Ja, Herr Vorsitzender“, sagt der entlassene Arbeitnehmer, „vielleicht hätte ich nicht stehlen dürfen, aber der bestohlene Arbeitgeber ist ganz bestimmt noch viel krimineller als ich. Er wurde zwar nicht verurteilt, aber im Internet finden sich so viele Leute, die alle Hinweise haben, dass die Staatsanwaltschaft auch schon gegen den bösen Mann ermittelt.“
Und schon ist der Dieb unschuldig und der Arbeitgeber verliert den Prozess.
Schon in der Antike galt der Satz: „Fallere fallentem, non est fraus, sed pocius laus.“ Den Betrüger betrügen ist kein Betrug, sondern löblich.
Nur in der Neuzeit wird gelegentlich übersehen, dass ein Betrüger erst dann ein Betrüger ist und als solcher bezeichnet werden darf, wenn er als solcher verurteilt ist. Zu den Grundwerten unserer Demokratie gehört schließlich die Unschuldsvermutung.
Aber das wäre vielen Medienkonsumenten vielleicht auch schon wieder zu langwierig und kompliziert. Wenn sich eine Kumpanei findet, die jemanden als kriminell beschimpft, wird schon was dran sein – und praktischerweise lenkt es von den eigenen Straftaten ab.
Unlängst wurde im größten deutschen Gericht, Berlin Moabit, ein Fall abgeschlossen, der nicht nur zu den kuriosesten des Jahres gehören dürfte, sondern auch Trendsetter im oben genannten Sinne war.
Zum Sachverhalt: Ein junger Mann hatte Geld zu investieren, eine gute Geschäftsidee, aber wollte seinen bisherigen Job nicht kündigen, da er ihm viel Freude machte. Also gründete er eine Aktiengesellschaft und setzte einen ehemaligen Berliner Staatssekretär als Vorstandsvorsitzenden ein. Der Mann war aus berühmtem Hause, Rechtsanwalt und Professor. Was der junge Mann nicht wusste, der Staatssekretär hatte sich bei einem Immobilienkauf weit aus dem Fenster gelehnt und konnte nicht mit Geld um sich werfen. In so einer Situation reagieren viele Menschen nicht immer rational.
Die AG kaufte einige kleine Unternehmen, Hauptumsatzbringer war jedoch ein neu gegründetes Hotel. Der Staatssekretär-Rechtsanwalt fand nichts dabei, gegen den Willen des Eigentümers der AG – dies erlaubt das Aktienrecht – einen 18jährigen Abiturienten und einen 62jährigen Maschinenschlosser als Geschäftsführer und Generalbevollmächtigen zu Chefs des Hotels zu machen. Der Maschinenschlosser, bezog Hartz IV, hatte noch rund eine halbe Million Euro Steuerschulden, war einschlägig vorbestraft, kannte viele Steuertricks und hatte gerade den dritten Offenbarungseid geleistet. Da der Schüler keine Ahnung von Buchführung und Geschäftsführung hatte, beschränkte er sich darauf, als Alibi-Geschäftsführer da zu sein.
Der Maschinenschlosser übernahm die Betriebsführung und begann mit prompt wieder gegenüber dem Finanzamt falsche Angaben zu machen. Trotz Mahnung der Eigentümer änderte der Staatssekretär als Verantwortlicher der Eigentümer-AG nichts. Als der Eigentümer erfuhr, dass bereits die Steuerfahndung ermittelte und das Unternehmen somit akut bedroht war versuchte er, die Sache aufzuklären.
Doch er bekam nur zwei Dinge: Dringende Hinweise, dass viel Geld unterschlagen wurde und – Hausverbot. Der Maschinenschlosser bekam nicht nur Hartz IV und parallel Honorar vom Hotel, sondern fertigte zudem Quittungen aus, die besagten, dass dieser oder jener Geld aus der Firmenkasse bekam – aber nicht der Empfänger unterschrieb die Quittungen, sondern der Maschinenschlosser selbst.
Als er den Vorstandschef, der als Rechtsanwalt arbeitete, damit konfrontierte, dass ein dringender Tatverdacht auf Steuerhinterziehung und Unterschlagung besteht, erklärte der Staatssekretär, er habe einen Beweis, dass dies nicht stimmen könne – der Beschuldige habe behauptet, er sei unschuldig. Hier könnte ein unbeteiligter Beobachter nun spekulieren, dass der Mann entweder die Realitäten nicht wahrnehmen wollte oder selbst Zuwendungen erhielt.
Denn er erklärte dem Eigentümer schriftlich, er spiele mit dem Gedanken, den Hotelbetrieb an den Schüler und den Maschinenschlosser zu übertragen, dann hätte der Eigentümer keinen Ärger mehr mit diesen Leuten.
Nun musste der Eigentümer handeln: Er beantragte beim Aufsichtsrat einen Beschluss, mit dem - rechtlich einwandfrei - das Gespann aus Schüler und Maschinenschlosser entlassen und eine reguläre Geschäftsleitung gesucht werden kann. Der Aufsichtsratsvorsitzende, auch er Rechtsanwalt, goss diesen einstimmigen Beschluss in rechtlich korrekte Formen.
Nun musste aufgrund der Vorgeschichte damit gerechnet werden, dass das unter Verdacht stehende Duo, dass sogar schon dem Eigentümer Hausverbot in seinem eigenen Unternehmen erteilt hatte, nicht einfach geht, wenn der neue Geschäftsführer kommt.
Also wurde auf Bitten des Eigentümers ein neutraler Rechtsanwalt, der keinen der Beteiligten vorher kannte, gefunden und vom neuen Geschäftsführer gebeten, die Übergabe zu beobachten und zu protokollieren, sowie alle Geschäftsunterlagen zu einem Wirtschaftsprüfer zu bringen, der auf Steuerhinterziehungen, Unterschlagungen, etc. prüfen sollte.
Dies hieß auch der Aufsichtsratsvorsitzende und ein vom Eigentümer zur Prüfung der Rechtslage hinzugezogener Rechtsanwalt gut.
Der neue Geschäftsführer rückte an, übernahm die Räumlichkeiten, übergab alle vorgefundenen Geschäftsunterlagen dem neutralen Anwalt und setzte in dessen Anwesenheit die alte Belegschaft vor die Tür.
Nun drohten die möglichen Steuerhinterziehungen und Unterschlagungen aufzufliegen. Also setze sich das Duo Schüler und Maschinenschlosser mit dem Staatssekretär zusammen und schrieben eine Anzeige gegen den Eigentümer. Sie hätten sich „genötigt“ gefühlt, das Geschäftslokal zu verlassen und die Geschäftsunterlagen heraus zu geben.
Ferner zeigten sie den Eigentümer noch wegen dutzender anderer Dinge an. Er soll seine eigenen Firmen bestohlen haben und sich selbst mit falschen Reisekostenabrechnungen betrogen haben, Drogen schmuggeln und weitere Anschuldigungen, die nicht sehr schlüssig schienen.
Anschließend veröffentlichten sie die Aktenzeichen der Ermittlungen im Internet und verschwiegen wohlweislich, dass sie selbst diese Anzeigen gestellt hatten. Dann machten sie viele Bekannte des Eigentümrs auf die Internetdiskussion aufmerksam. Der Eigentümer bekam prompt keine Kredite, um den ausgeplünderten Betrieb zu sanieren und er verlor noch seinen normalen Arbeitsplatz bei einem großen Unternehmen – die zahlten lieber ihm eine kleine Abfindung, als mit jemandem im Verbindung zu stehen, gegen den die Staatsanwaltschaft ermittelt. Doch die Staatsanwaltschaft stellte die ganzen Verfahren ein – es war zu offensichtlich, dass die Anschuldigungen nur erlogen waren. Das Unternehmen musste jedoch kurz darauf aufgelöst werden.
Am Ende blieb nur ein Punkt offen – der Eigentümer, der einen einstimmigen Aufsichtsratsbeschluss herbeigeführt hatte, der den Wechsel der Geschäftsführung ermöglichte, von drei Rechtsanwälten bestätigt bekam, dass alles so legal ist, hatte diesen Anwälten geglaubt.
So kam es zur Hauptverhandlung. Alle Anlagepunkte wurden nach kurzer Zeit fallen gelassen, weil sie sich als absurd oder schlicht gelogen erwiesen. Auch wurde erwiesen, dass niemand jemanden bedroht oder genötigt hatte. Weil sich die abgelöste Geschäftsleitung genötigt „gefühlt“ hatte - vom neuen Geschäftsführer in Begleitung des neutralen Rechtsanwaltes - muss der Eigentümer nun ein Bußgeld von über tausend Euro zahlen.
Die Tatsache, dass er selbst nur beim Aufsichtsrat einen Beschluss beantragt hatte, drei Rechtsanwälte das Vorgehen als rechtmäßig betrachtet hatten und empfhlen hatte, dass ein neutraler Rechtsanwalt beim Wechsel dabei ist, damit alles nach Recht und Gesetz abläuft, zählte nicht.
Einer der ehemaligen Mitarbeiter hatte vor Gericht darauf hingewiesen, dass der Ablösungsbeschluss, die Herausgabeaufforderung für Geschäftsunterlagen und Schlüssel ja auch per Gerichtsvollzieher hätten übermittelt werden können. Da hätte sich bestimmt niemand genötigt gefühlt. Dem folgte das Gericht.
Die Tatsache, dass dann vielleicht Menschen, die Bücher gefälscht haben, um Steuern zu hinterziehen und viel Geld unterschlagen haben, vielleicht auch die Kasse geleert und Beweise manipuliert hätten, ließ das Gericht nicht gelten.
Dies wäre dann eine neue Definition von unternehmerischem Risiko. Der Geschädigte musste sein ausgeplündertes Unternehmen schließen, hat seine Investitionen verloren und muss nun auch noch ein Bußgeld zahlen, weil sich die mutmaßlichen Straftäter genötigt „gefühlt“ haben, zu gehen.
Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft und die Steuerfahndung zwar gegen die abgesetzte Geschäftsführung und ihre Komplizen – aber die die meisten dieser Personen haben bereits einen Offenbarungseid geleistet. Von denen bekommt der Eigentümer im Falle einer Verurteilung keinen Cent mehr zurück.
Aber wenigstens die Gerichtszuschauer gehen nicht leer aus: Sie haben folgende Lehrsätze erhalten:
- Du darfst nicht stehlen – und wenn doch, bestiehl Deinen Arbeitgeber, dann bist Du das Opfer und er ist der böse Kapitalist.
- Wenn Du als Manager Deinen Arbeitsgeber bestiehlst, gib ihm Hausverbot und zeige ihn an – das verschafft Dir die Zeit, Beweise zu vernichten, die Kasse einzupacken und Dich abzusetzen.
- Wenn Du während der Arbeitszeit vor die Tür gesetzt wirst, zeige alle Handelnden an, weil Du Dich genötigt fühlst zu gehen – die müssen dann ein Bußgeld zahlen und Du kannst sie auslachen.
- Wenn Dich dann doch irgendwann die Polizei abholt und Dich zwingt, Dich aus Deiner Wohnung in ein Polizeiauto zu begeben, zeige auch gleich die Polizisten wegen Nötigung an, schließlich hätten Sie Dir auch eine Ladung zur Vernehmung per Zustellung senden können. Das Risiko, dass Du Dich absetzt, wird gern in Kauf genommen. Vielleicht muss der Polizist dann auch ein Bußgeld zahlen. Oder erst einmal bei einer Verkehrskontrolle oder wenn der Gerichtvollzieher kommt…
Aber das ist nur eines von vielen Beispielen, die eifrige Gerichtsbesucher jeden Tag in Deutschland sehen können. Sir Winston Churchill hat einmal bemerkt, dass, wenn man jemals ein Argument gegen die Demokratie suche, möge man sich fünf Minuten mit einem x-beliebigen Wähler unterhalten.
Wenn man nun also jemals ein Argument gegen Fleiß und Arbeitsplatzschaffung sucht, möge man sich für einige Tage auf die Zuschauerbänke eines beliebigen deutschen Gerichts setzen.
- Der vorliegende Fall wurde verkürzt, vereinfacht und anonymisiert dargestellt. Er ist Teil eines derzeit im Entstehen begriffenen Buches, dass sich mit Kriminalfällen in Berlin befasst. Hinweise zu diesem und ähnlichen Fällen nehmen wir gern per e-mail entgegen. Sollte berechtigtes Interesse bestehen, können einige Kapitel und Sachverhalte auch schon als Vorableseexemplar zu Rezensionszwecken überlassen werden. -
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Recht haben und Recht bekommen - Teil I
31.12.2009 von Reitzenstein.
Wohnen ohne zu zahlen
Vor Vertragsabschluss geben sie sich meist weltgewandt und täuschen einen gehobenen Lebensstil vor. Doch sind sie erst einmal eingezogen, folgt das böse Erwachen. Der Vermieter sieht von ihnen keinen Cent und meistens hinterlassen sie das pure Chaos. Wenn sie jedes juristische Schlupfloch nutzen, kann es zwei Jahre dauern, bis die Vermieter endlich eine Räumungsklage haben.
Als sich Dennis Peters aus Bleckede bei Lüneburg im Mai 2007 ein Doppelhaus für nur 142.000 Euro ersteigert, kann er sein Glück kaum fassen. Doch schnell entpuppt sich das Schnäppchen als Albtraum, denn der Mieter ist ein aggressiver Mietnomade und zu allem Überfluss auch noch Chef einer Truppe, die sich auf Einmietbetrug spezialisiert hat. Er bedroht, beschimpft und beleidigt Peters und seine Familie: “Ich mach dich finanziell und psychisch fertig!”, soll er damals gesagt haben. Kaum hat Peters einen Räumungstitel gegen den verhassten Mieter, meldet sich der nächste an, gegen den erneut geklagt werden muss. 15 Monate und 24 Neuanmeldungen später ist der Hausbesitzer am Ende seiner Kräfte. Auf mehr als 42.000 Euro beziffert sich der Schaden inzwischen. Bis endlich der Beschluss ergeht, dass die gegnerische Partei das Haus widerrechtlich in Anspruch genommen hat: Hausfriedensbruch. Endlich darf die Polizei einschreiten und räumen.
Auch das Rentnerehepaar Fischer aus Erftstadt ist Opfer eines Mietnomaden geworden: Vor zwei Jahren fuhr er mit einem teuren BMW vor, behauptete, ein reicher Erbe zu sein, und erschlich sich so das Vertrauen der gutgläubigen Vermieter. Doch schnell stellte sich heraus, dass der Mann Hartz-IV-Empfänger und hoch verschuldet ist. Mehr als 30.000 Euro Mietschulden hat er mittlerweile. Ans Ausziehen denkt er noch lange nicht, denn er sieht sich selbst als Opfer. Mit selbstgemalten Plakaten ging er vor dem Haus seiner Vermieter in Stellung, um gegen vermeintliche Richter- und Vermieterwillkür zu protestieren.
Gefunden auf Spiegel.de
http://www.spiegel.de/sptv/special/0,1518,613104,00.html
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Neues Leben in der Alten Strickfabrik in Leipzig
29.12.2009 von Reitzenstein.
Am Ende des 19. Jahrhunderts, in der Gründerzeit, war das Karree in Leipzig zwischen Berliner Straße, Wittenberger Straße, Bitterfelder Straße und Apelstraße ein erschlossenes, aber unbebautes Grundstück. Es war das am nächsten zu Stadt und Bahnhof gelegene Karree eines großen neuen Viertels der Stadt.
Bald sollte in diesem Teil von Leipzig das Goldene Zeitalter sächsicher Industriekultur beginnen. Auch auf dem Karree am Beginn der Berliner Straße nahm der Aufschwung seinen Lauf: Die Gebrüder Frank Strickwarenfabrik wurde gegründet und produzierte in einem einstöckigen Gebäude. Bald darauf begann die Leipziger Straßenbahngesellschaft auf dem Nachbargrundstück auf der Ecke Apelstraße / Berliner Straße unter freiem Himmel Schienen zu lagern.
Die Belegschaft der Gebrüder Frank wuchs. So wurde vor der Fabrik mit königlich-sächsischem Privileg ein Hofabort mit fünf WC gebaut. Das war nicht nur hoch modern, sondern schuf jene Hauptabwasserleitung, die auch heute noch in Betrieb ist.
Die Nachfrage wuchs und schon bald konnten neben der Fabrik ein Dampfmaschinenhaus und ein Akkumulatorenhaus errichtet werden, deren Rückwände heute noch erkennbar sind.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstand gegenüber der Fabrik ein zweites Fabrikgebäude. Es war dreistöckig und zog sich von der hinteren Grundstücksgrenze bis vor zur Berliner Straße. Darunter zog sich bis weit unter den Hof ein Hofkeller als Lager auf mehr als 2.000qm, der teilweise noch erhalten ist.
Die Straßenbahngesellschaft baute auf dem Nachbargrundstück eine Wagenhalle. Auf dem Grundstück auf der anderen Seite, an der Wittenberger Straße entstand eine Arzneifabrik.
Nachdem 1923 die Hyperinflation überstanden war, entwickelte sich auch die Strickfabrik weiter. Der straßenseitige Teil wurde auf fünf Stockwerke plus zwei Dachböden aufgestockt. Hier entstand in den neuen Stockwerken eine Krankenstation und eine Kantine.
Nebenan enstand ein Neubau. Dieser hatte fünf Vollgeschosse und eineinhalb Dachgeschosse. Dies ist das heute noch stehende Gebäue der Alten Strickfabrik.
So war beinahe der ganze Hof bebaut und die Fabrik florierte.
Dann jedoch ernannte 1933 der Reichspräsident v. Hindenburg Adolf Hitler zum Reichskanzler. Dieser ließ die Länder gleichschalten. Der NSDAP Gauleiter von Sachsen, Martin Mutschmann, wurde Reichsstatthalter in Sachsen. Dieser betrieb seit 1907 in Plauen eine Spitzenfabrik, zu der später mehrere andere Textilfabriken kamen. Seit 1930 gab er schon die Parteizeitung “Der Freiheitskampf” heraus, worin immer wieder die Enteignung von Industriellen jüdischen Glaubens gefordert wurde.
Die jüdischen Eigentümer wurden bald gezwungen, die Fabrik an einen Parteigenossen zu verkaufen.
Doch schon ab 1943 erhielt das Gebäude mehrere Bombentreffer. Noch heute ist der fünfstöckige Erweiterungsbau an der Berliner Straße ein Mahnmal gegen den Bombenkrieg. Hier stehen seit dem Einschlag einer Luftmine Ende 1944 nur noch die Fassade und die Seitenwände. Die Trümmer der Restgebäude sollen viele der Arbeiterinnen erschlagen haben.
Nach dem Kriege gab die DDR den jüdischen Eigentümern ihren Besitz nicht frei. Zwar waren die in den USA lebenden Erben formal Eigentümer. Aber die wurden gezwungen, für so niedrige Mieten an die dort einquartierten Volkseigenen Betriebe, wie das VEB Herrenmoden Korrekt zu vermieten, dass deren deutscher Anwalt bei der Bezirksleitung schon in den 70er Jahren beklagte, die Mieten betrügen nicht einmal die Hälfte der Unterhaltungskosten.
Das Gelände verfiel immer mehr. Seit 1953 gab es zudem immer wieder Versuche, die Ruine an der Berliner Straße abzureißen. Doch mal war kein Bagger verfügbar, mal kein Kran, dann fehlten wieder andere Dinge.
Schließlich gab es nach 36 Jahren Planung einen Abrisstermin - im Dezember 1989.
Nachdem die Mauer gefallen war, fühlte sich zunächst niemand zuständig. 1993 kaufte ein Bauträger das Areal und alle Ruinen wurden abgerissen, bis auf jene an der Berliner Straße.
Während die intakte Strickfabrik zu einem modernen Bürohaus umgebaut wurde, sollte auf deren Dach ein Penthouse entstehen und in der Ruine ein Studentenheim, zudem auf dem Hof eine Einkaufspassage.
Doch schon 1999 ging es dem Eigentümerunternehmen nicht mehr so gut - die Liegenschaft kam in die Zwangsverwalter.
Viele seriöse Mieter zogen aus, viele zweifelhafte zogen ein. Zahlreiche illegale Mieter, die immer neue Räume aufbrachen und besetzten, andere mit Ein-Euro-Mietverträgen, die ihre Miete nicht zahlten - das Gebäude verfiel zusehends.
Dann kaufte im April 2009 ein Familienunternehmen aus Leipzig das Areal. Dieses setzt seitdem konsequent die Linie seiner Eigentümer um: Restauration und Reinvestition vor Rendite.
Die Liegenschaft wurde seit dem Erwerb einmal komplett durchsaniert, nun entsteht hier ein Zentrum für die Kreativwirtschaft. Junge start-ups, Autoren, Werber, Personal Trainer, Verlage, Instrumentenbauer und viele mehr ziehen nach und nach ein und beleben die Alte Strickfabrik.
Dabei handelt es sich ebenso um etablierte Unternehmen, wie auch um start-ups von SEPT, einem Projekt der Universität Leipzig. Im ehemaligen Privatkontor der Strickwarenfabrik Gebrüder Frank sitzt nun ein Pressebüro mit seiner Leipziger Niederlassung. Der dort beschäftigte Autor ist Historiker und erhielt von den Eigentümern den Auftrag, die Geschichte der Strickfabrik zu rekonstruieren und ab Ende 2010 eine Ausstellung im Foyer des Kontors daraus zu entwickeln.
Im Sommer 2010 soll endgültig die Ruine neben der Strickfabrik abgerissen werden. Schon jetzt gibt es eine attraktive gartenarchitektonische Planung für die Neugestaltung des Hofes. Hier soll nicht nur hinreichend Parkfläche vorhanden sein, sondern auch eine grüne Oase in der Nähe des Hauptbahnhofes. Damit die Kreativen in der Kreativwirtschaft auch viel Raum für kreative Pausen haben.
Die Alte Strickfabrik lebt wieder!
Julien Reitzenstein Wilhelm von Reitzenstein
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Die Jagd nach Eleganz
23.12.2009 von Reitzenstein.
Freunden des gepflegten Landlebens ist schon seit langem klar, dass es ebenso unpassend sein kann, im Maßanzug einen Waldspaziergang zu machen, wie in Jeans und Polohemd auf der Veranda Geschäftsfreunde zur Besprechung zu empfangen. Daher hat sich hier eine Mode durchgesetzt, die nicht nur elegant, sondern gleichzeitig leger ist. Diesen ländlichen Stil konnte man schon im letzten Jahr sehr vereinzelt auf der Expo-Real sehen. Ein wenig mag er an Tracht erinnern, ein wenig an Jagd – doch in einigen Soziotopen ist er längst Trend. Kariertes Hemd, gern auch mit Manschettenknöpfen, Cordhose und Janker oder Lodenjacke ist hier kein Hingucker.
Oft jedoch fehlte es für die Begleiterin an tragbaren Gegenstücken, wollte sie kein Dirndl anziehen. Hier hat das Label T.E.D. eine Nische besetzt. T.E.D. Couture ist der jüngste Spross des Gutes Grambow bei Schwerin in Mecklenburg. Das große Anwesen mit Land- und Forstwirtschaft bietet mehr als Kühe, Pferde, Felder und Wälder. In seinen Ferienapartments finden gestresste Großstädter aus dem nahen Hamburg oder Berlin Ruhe. Viele Feriengäste verlieben sich dabei in den „Grambow-Saloon“. Der Geheimtipp unter den Veranstaltungslocations ist aufgrund der nahen Wege zu den Metropolen ebenso gern gebucht, wie aufgrund der zahlreichen Übernachtungsmöglichkeiten vor Ort – vom Sternehotel bis zur Schlosssuite.
Vor allem aber befindet sich auf Gut Grambow Deutschlands bekannteste Jagdschule. Ob Hochadel oder Topmanager, ob Jugendliche oder Berufsjäger – die trotz sehr hoher gesetzlicher Anforderungen bemerkenswert niedrige Durchfallerquote hat Grambow große Erfolge beschert. Zudem sei das Alumni-Netzwerk der ehemaligen Schüler oft effektiver als viele Online-Business-Netzwerke, sagt Martin Lösch, Herr auf Grambow. Doch gerade die Verschiedenartigkeit der Mitglieder dieses Netzwerks und ihrem unterschiedlichem Anspruch an Kleidung hat einen Kreativprozess in Gang gesetzt. Die Berufsjäger, die durch Dornenbüsche laufen, benötigen robuste Kleidung. Die Jagdschüler und –schülerinnen – bis 30% der Absolventen sind weiblich – brauchen warme und funktionale Kleidung für die ersten Schritte in der Natur. Die Feriengäste, die auch einmal Geschäftsbesuch empfangen, möchten elegant und dennoch ländlich gekleidet sein. Dem begegnete der Martin Lösch mit der Gründung des Modelabels T.E.D. Couture. Designer Miro Craemer erklärt den Erfolg so: „Designer arbeiteten Hand in Hand mit Berufsjägern – eine wohl einmalige Kooperation in der Textilwelt. Denn das E
Aber auch die funktionellen Modelle für die Jagd und den harten Einsatz in der Natur, wie Shooting Jackets aus schottischem Estate-Tweed, Steppjacken oder die Loden-Serie „Viktoria“ für Damen verarbeiten einerseits feinste Stoffe und sorgen für Eleganz. Andererseits sorgen funktionelle Futter- und Isoliermaterialien dafür, sich sehr lautlos durch die Natur bewegen zu können. Doch Qualität hat ihren Preis. Das mag nicht nur in den vergleichsweise hochpreisigen Materialien begründet liegen, sondern auch in der Tatsache, dass alle Stücke in Deutschland produziert werden. „Gerade in besonders hochwertigen Geschäften, wie bei Frau von Schöning auf Sylt, Ladage&Oelkein Hamburg oder Springers Erben in Wien schätzen unsere Kunden unsere Produktionsphilosopie“, erklärt Lösch. Das erfolgreichste Modell des Labels ist die Herren-Tweed-Jacke. Miro Craemer: „Teflon-Beschichtung, schottischer Estate Tweed und unzählige Funktionen machen die Jacke sowohl zum Anzug tragbar, als auch bei der Jagd oder dem Waldspaziergang.“
Alles in allem wirkt die Mode von T.E.D. sowohl lässig, als auch hochwertig. Vielleicht die richtige Mischung in der derzeitigen Situation am Immobilienmarkt. Darum wird auf dem Deutschen Immobilienball die Kollektion im Rahmen einer Modenschau vorgestellt und das Team von T.E.D. und der Jagdschule Gut Grambow steht für Fragen bereit.
Erschienen im Immobilien Manager Magazin
Julien Reitzenstein Wilhelm von Reitzenstein
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